Jetpacks – oder: Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

22.09.2014 |  Von  |  Outdoor
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Jetpacks – oder: Wer wird denn gleich in die Luft gehen?
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Der Traum vom Fliegen ist fast so alt wie die Menschheit. Kreativität und Fantasie kennen keine Grenzen, wenn es darum geht, ihn zu verwirklichen. Heissluftballon, Luftschiff und Flugzeug sind nur drei Beispiele aus einer ganzen Reihe von Konstruktionen, die die Geschichte der Luftfahrt geprägt haben.

Und die Zeit der Ideen ist noch nicht zu Ende. Noch immer ist es das Ziel, sich frei wie ein Vogel durch die Luft bewegen zu können. Daran wird weiter intensiv gearbeitet und geforscht. Eine originelle Umsetzungs-Variante sind Jetpacks.



Wie James Bond mit dem Raketengürtel 

Der Jetpack – oder deutsch: Raketenrucksack – erlebte 1965 eine Kinopremiere im James-Bond-Film „Feuerball“. In diesem Streifen flieht der Hauptdarsteller Sean Connery mithilfe eines Jetpacks vor seinen Verfolgern. Es handelte sich dabei keineswegs um einen Filmtrick, der Raketenrucksack existierte wirklich. Das als Rocket-Belt bezeichnete Gerät wurde seinerzeit von einer Firma für die US-Armee für Spezial-Einsätze produziert.

Einem breiteren Publikum ist der Raketengürtel auch von der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 ein Begriff. Damals landete ein Raketenmann mitten im Stadion. Bei der Olympiade 1996 wurde das Schauspiel nochmals wiederholt. Für eine Breitenanwendung war der Rocket-Belt aber nie geeignet. Wer ihn trug, benötigte feuersichere Spezialkleidung, man konnte mit ihm nicht länger als eine halbe Minute in der Luft bleiben und er bot auch keine sicheren Landungsmöglichkeiten bei Störungen.

Spektakulärer Show-Effekt



Auch heute sind Weiterentwicklungen dieses Jetpacks im Einsatz. Sie werden gerne genutzt, um bei Events Aufmerksamkeit zu erzielen. Bevorzugte Einsatzgebiete sind Eröffnungs- oder Schlussveranstaltungen bei Sportereignissen, Halbzeitpausen, Flug-Events, Festivals und Konzerte sowie auch andere Ereignisse, für die ein spektakulärer Auftritt gewünscht wird. An den Grundproblemen der Raketenrucksäcke hat sich dabei allerdings wenig geändert. Nach wie vor können sie nur von speziell ausgebildeten Personen geflogen werden, das Risiko ist nicht unbeträchtlich und die Flugzeit immer noch eng begrenzt. Beim echten Raketenantrieb konnte sie lediglich auf etwa 45 Sekunden erweitert werden. In einer Turbinen-Version sind immerhin bis zu neun Minuten möglich.

Jetlev-Flyer - Luxuriös über das Wasser fliegen. (Bild: Aleksandar Todorovic / Shutterstock.com)

Jetlev-Flyer – Luxuriös über das Wasser fliegen. (Bild: Aleksandar Todorovic / Shutterstock.com)

Luxuriös über das Wasser fliegen



Eine interessante Variante aus der jüngeren Zeit sind Jetlev-Flyer. Hier wird der nötige Rückstoss mithilfe von Wasser erzeugt, das über einen an eine Hochleistungspumpe angeschlossenen Schlauch angesaugt und über Düsen an dem Jetlev-Flyer wieder ausgestossen wird. Dadurch wird ein Rückstoss bewirkt, der den Piloten mehr als acht Meter in die Luft hebt. Das Gerät lässt sich frei manövrieren, bei flach gestellten Düsen kann eine Bewegungsgeschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern erreicht werden.

Der Jetlev-Flyer bildet zusammen mit dem Boot, das den Motor und die Pumpe trägt, ein geschlossenes System, das durch den Schlauch verbunden wird. Bei der Fortbewegung des Jet-Flyers zieht der Schlauch das Boot hinter sich her. So kann sich der Pilot längere Zeit über Wasser halten. Der Jetlev-Flyer ist die erste Anwendung dieser Art, die auch von Laien genutzt werden kann. In Deutschland ist sie als Sportboot zugelassen. Allerdings handelt es sich um ein Luxus-Spielzeug. Rund 97’000 Schweizer Franken kostet die Billigvariante dieses Fluggeräts. Und ohne persönliches Training kann es auch nicht geflogen werden.



Jetpack mit Turbinenantrieb

In Neuseeland wird derzeit an einer weiteren Innovation gearbeitet. Der Erfinder Glenn Martin beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der Entwicklung von Jetpacks und hat bereits mehrere Prototypen vorgestellt. Sein neuestes Modell, der P12, könnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer breiter vermarktungsfähigen Version von Jetpacks sein.

Martins Fluggeräte kommen dabei ohne die klassische Raketentechnik aus, so auch der P12. Sie arbeiten mit Turbinenantrieb. Dabei sorgen mit den Turbinen erzeugte Druckluftströme für den Auftrieb. Beim P12 bewerkstelligt ein V4-Zweitaktmotor mit 200 PS die nötige Turbinen-Leistung. Ein 45-Liter-Tank versorgt den Motor mit Normalbenzin. Die Leistungskraft des P12 ist beachtlich. Bis zu 330 kg Gesamtmasse können gehoben werden. Allerdings ist das Gerät alleine trotz ultraleichter Materialien 180 kg schwer. Auch sonst fallen die Dimensionen aus dem üblichen Rahmen eines Rucksacks. Nicht der Pilot schnallt sich das Jetpack um, sondern er wird selbst an dem Gerät festgeschnallt.

Bald für ein breites Publikum?

Bis zur Marktreife scheint es also noch ein Weg zu sein. Dabei drängt die Nachfrage. Martin hat schon 160’000 Anfragen zu seinem neuesten Modell erhalten. An 6000 „Martin-Jetpacks“ besteht bereits konkretes Interesse. Einige Interessenten haben sogar Anzahlungen geleistet, um sich Anrechte auf die ersten Exemplare zu sichern. Dies ist angesichts der Tatsache, dass es das Produkt noch nicht wirklich gibt, erstaunlich. Martin übt sich denn auch in Vertröstungen. Wie lange er damit die Geduld seiner Jetpack-Fans strapazieren kann, darauf darf man gespannt sein.




 

Oberstes Bild: © Sfio Cracho – Shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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