Highland Games – nicht nur ein schottisches Vergnügen

21.10.2014 |  Von  |  Allgemein
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Highland Games – nicht nur ein schottisches Vergnügen
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Die Bewohner der schottischen Highlands gelten als ein eigenwilliger und traditionsbewusster Menschenschlag. Das trifft auch auf den Sport zu. In den jährlichen Highland Games messen die Teilnehmer aus dem Hochland ihre Kräfte.

Dabei haben die Highland Games längst das schottische Kernland verlassen. Heute finden sie rund um den Globus statt – sogar in der Schweiz.



Ein Spektakel für Hunderttausende

Jedes Jahr werden im schottischen Ursprungsland etwa 100 dieser Veranstaltungen ausgerichtet. Die bekanntesten Highland Games sind die Spiele im Örtchen Braemar im Norden des Landes. Sie stehen seit jeher unter der Schirmherrschaft der britischen Königin, die im nahen Schloss Balmoral Castle ihren Landsitz hat. Daran dürfte sich nach dem jüngsten Unabhängigkeits-Referendum nichts ändern, in dem sich eine knappe Mehrheit der Schotten für den Verbleib im Vereinigten Königreich ausgesprochen hat.

Nichtsdestoweniger sind die Spiele eine urschottische Erfindung. Einst waren sie wohl Bestandteil der traditionellen Clan-Treffen – der sogenannten Gatherings. Die Clans bildeten früher grosse familiäre Verbände in den Highlands, die die Gesellschaftsstruktur Schottlands prägten und auch massgeblichen politischen Einfluss hatten. Heute sind die Clans Erinnerung, die Highland Games dagegen lebendige Gegenwart. Jedes Jahr erleben Hunderttausende Besucher das Spektakel.

Körperkraft und Geschicklichkeit



Auf den Nicht-Schotten wirkt diese spezielle Form der Olympiade manchmal etwas eigentümlich. Da überrascht es, dass tatsächlich eine Verbindung zu den modernen Olympischen Spielen besteht. Pierre de Coubertin soll durch den Besuch von Highland Games zu seiner Idee, die Olympiade wieder ins Leben zu rufen, inspiriert worden sein.

Bei den Wettkämpfen der Highland Games geht es meist um die Kombination von körperlicher Kraft und Geschicklichkeit. Es handelt sich um Eigenschaften, die einst im Kampf besonders gefragt waren. Und der Übung für die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen dienten die Spiele auch. Einige Disziplinen dürfen bei keinen Highland Games fehlen:

  • Tossing the Caber oder Baumstammwerfen,
  • Putting the Stone oder Steinstossen,
  • Scottish Hammer oder Hammerwerfen.

Handelte es sich früher um reine Männer-Wettbewerbe, sind heute auch Frauen zu den Highland Games zugelassen. Für sie gelten dann leichtere Gewichte und angepasste körperliche Anforderungen bei den einzelnen Disziplinen. Die Emanzipation hat hier längst Einzug gehalten.

Neben den Klassikern gibt es eine Vielzahl weiterer Sportarten, de je nach Veranstaltungskonzept in ein Programm integriert werden können. Insgesamt existieren rund 50 anerkannte Sport-Disziplinen bei Highland Games. Eine soll hier näher vorgestellt werden, bei der es um Kraft wie Geschicklichkeit gleichermassen geht: das Baumstammwerfen.

Tossing the Caber

Bei dieser Sportart werden fünf bis sechs Meter lange Baumstämme verwandt, die zwischen 35 und 60 Kilogramm wiegen. Der Werfer hebt am Beginn den Stamm mit beiden Händen senkrecht in die Höhe, nimmt Anlauf und schleudert ihn dann in einer 180-Grad-Drehung möglichst so, dass das obere Ende wieder zuerst auf dem Boden auftrifft und das ursprünglich gehaltene untere Ende beim liegenden Stamm von ihm weg weist. Ziel des Wettbewerbs ist es nicht, den Baum möglichst weit zu schleudern, sondern so zu werfen, dass Anlaufstrecke und der liegende Stamm ein gerade Linie bilden. Je mehr sich der Baumstamm in Schräglage befindet, umso mehr ist das Ziel verfehlt worden.

Musik und Tanz – mit Dudelsack



Zum Volksfest-Charakter der Spiele gehören Musik und Tanz. Sie sind gleichzeitig weitere Wettbewerbs-Disziplinen. Bei der Musik spielt natürlich der Dudelsack eine tragende Rolle. Wettbewerbe finden im Solo Piping und als Pipe Band Contest statt. Beim Tanzen geht es um klassische schottische Schautänze, die entweder von Einzeltänzern oder zu viert vorgeführt werden. Bekannte Tänze sind der Gillie Callum, ein Tanz über gekreuzten Schwertern, oder der Highland Reel, eine klassische Hochland-Schrittfolge. Die Tänze werden üblicherweise von einem Dudelsack-Solisten begleitet.



Organisierter Sport

Auch wenn die Highland Games sehr volkstümlich sind, handelt es sich doch auch um organisierten Sport. Die schottischen Veranstaltungen finden unter dem Dach der Scottish Highland Games Association (SHGA) statt. Im internationalen Rahmen kümmert sich die International Highland Games Federation (IHGF) um die Hochland-Spiele. Es werden sogar Weltmeisterschaften ausgetragen.

Im Ausland haben Highland Games vor allem dort Verbreitung gefunden, wohin es schottische Auswanderer in den letzten Jahrhunderten bevorzugt verschlagen hat. Von daher verwundert es nicht, dass sich viele internationale Austragungsorte in den USA und Kanada befinden.

Highland Games in der Schweiz

Aber auch im deutschsprachigen Raum gibt es bereit seit etlichen Jahren Highland Games. In der Schweiz war St. Ursen im Kanton Freiburg jahrelang Austragungsort von Highland-Meisterschaften. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung allerdings wegen organisatorischer Probleme abgesagt werden. Es gibt aber eine Reihe weiterer Schweizer Orte, in denen Highland Games veranstaltet wurden und werden. Die Highlandgames Association of Switzerland ist eine Vereinigung, die sich um die Ausrichtung und Reglements von Meisterschaften in der Schweiz kümmert.




 

Oberstes Bild: © PerseoMedusa – Shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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