Ein Monat, ein Roman – der NaNoWriMo-Wettbewerb

24.11.2014 |  Von  |  News
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Ein Monat, ein Roman – der NaNoWriMo-Wettbewerb
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„NaNoWriMo-was?“, werden sich jetzt vielleicht viele von Ihnen fragen. Die Abkürzung steht für das englische Motto „National Novel Writing Month“, und dahinter versteckt sich ein Wettbewerb, bei dem Jahr für Jahr Tausende angehende und aktive Schreiber versuchen, einen Roman mit 50’000 Wörtern innerhalb des Monats Dezember zu schreiben.

Der Gedanke hinter dem Wettbewerb liegt nicht darin, den nächsten Roman mit Chancen auf den Pulitzer-Preis auf den Markt zu bringen (auch wenn einige der während des NaNoWriMo geschriebenen Bücher tatsächlich auch veröffentlicht worden sind), sondern es geht darum, überhaupt zu schreiben. Es sind märchenhafte Zeiten für Schreiberlinge, denn mit dem NaNoWriMo bekommt man endlich eine Motivation geboten, mit dem Schreiben anzufangen.



Die Idee hinter dem NaNoWriMo

Im Juli 1999 entschloss sich der freiberufliche Schriftsteller Chris Baty, gemeinsam mit seinen Freunden einen Wettbewerb zu kreieren, in dem jeder von ihnen innerhalb eines Monats 50’000 Wörter schreiben sollte. Er kam auf die Idee, weil viele seiner Kollegen häufig darüber klagten, dass sie zwar die Idee für einen Roman hätten, aber einfach nicht dazu kämen, ihn auch zu beenden. Beim NaNoWriMo sollte es nicht darum gehen, einen perfekten Roman zu schreiben – es ging nur darum, sich ein Ziel zu setzen und dies zu erreichen.

Im Juli 1999 waren es gerade einmal 22 Teilnehmer, die grösstenteils aus der malerischen San Francisco Bay Area kamen und sich untereinander kannten. Im nächsten Jahr ging die offizielle Website des Wettbewerbs online und er wurde in den November verschoben, „um das Beste aus dem schlechten Wetter zu machen“ – es nahmen diesmal 140 Schreiberlinge teil, von denen 29 die 50’000 Wörter auch tatsächlich erreichten.

Seitdem sind die Teilnehmerzahlen am National Novel Writing Month stetig gestiegen, und schon lange begrenzt sich der Wettbewerb nicht mehr nur auf die USA, sondern Teilnehmer aus der ganzen Welt schreiben fleissig mit – auch aus der Schweiz. Im Jahr 2013 sollen es nach Angaben des Erfinders Baty über 400’000 schreibwütige Autoren gewesen sein, Tendenz weiter steigend!



Und wie funktioniert es?

Die Regeln sind denkbar einfach: Man muss sich nur vor dem 1. November auf der Website des Wettbewerbs anmelden und dann geht es auch schon los. Man darf seine Geschichte natürlich schon vorher vorbereiten (zum Beispiel einen Plot ausarbeiten, Charakterlisten fertigen etc.), aber mit dem eigentlichen Text darf man erst am 1. November um 00.00 Uhr beginnen und kann bis zum 30. um 23.59 Uhr schreiben.

Es ist dabei vollkommen egal, aus welchem Genre der Roman stammt. Science-Fiction oder romantische Liebesgeschichte – es gibt sogar Teilnehmer, die den NaNoWriMo dafür nutzen, ihre Abschlussarbeit für die Universität zu schreiben! Die Texte werden nicht nach ihrem Inhalt, sondern nur nach der tatsächlichen Wortzahl bewertet. Das bedeutet: Jeder Teilnehmer, der die 50’000 Wörter schafft, ist erst einmal ein Gewinner.

Der NaNoWriMo ist ein Contest mit dem Ziel, in 30 Tagen einen Roman mit 50’000 Wörtern zu schreiben. (Bild: rCarner / Shutterstock.com)

Der NaNoWriMo ist ein Contest mit dem Ziel, in 30 Tagen einen Roman mit 50’000 Wörtern zu schreiben. (Bild: rCarner / Shutterstock.com)

In 30 Tagen sind übrigens jeden Tag 1667 Wörter zu schreiben, um diese Zahl zu knacken. Die Geschichte muss auch nicht nach dieser Wortzahl enden – viele Schreiber nutzen den Wettbewerb tatsächlich dafür, den Einstieg in ein grösseres Werk zu schaffen.

Allerdings gibt es keine offiziellen Preise. Im Wettbewerb geht es vielmehr darum, den „inneren Schweinehund“ zu besiegen und an einer Sache dranzubleiben. Wer es schafft, bekommt eine druckbare Urkunde zugeschickt und kann sich die offizielle Auszeichnung in Form eines Logos auf die eigene Website stellen.

Wie man schreibt, bleibt einem selbst überlassen. Es gibt einige Schreiber, die noch die klassische Variante bevorzugen und zuerst zu Kugelschreiber und Block greifen, andere nutzen die Schreibmaschine, wiederum andere die langsam schon wieder aussterbenden Touchscreen-Notebooks – die Hauptsache ist, dass die Geschichte am Ende des Monats in digitaler Form einreichbar ist.



Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?



In Amerika gibt es mittlerweile sogar einen Ableger des Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche, das „Young Writers Program“ (YWP). Denn auch wenn immer wieder infrage gestellt wird, dass die Generation Y überhaupt noch kreativ ist, der Andrang ist riesig. Für die Kinder gelten natürlich leicht veränderte Regeln: Sie müssen nur 30’000 Wörter schreiben und haben die direkte Unterstützung der Lehrkörper, die sowohl das Geschriebene kontrollieren als auch die Kinder mit Stickern und anderen „Goodies“ weiter motivieren.

Unterstützung von Fremden

Einer der grossen Vorteile des NaNoWriMo ist, dass man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Entweder man schliesst sich dafür den acht Teilnehmern einer sogenannten „Cabin“ an, in der man sich austauschen kann, oder man nutzt einfach die sozialen Medien. Auf Twitter zum Beispiel kann man jederzeit mit dem Hashtag #NaNoWriMo Fragen stellen oder Diskussionen anregen. Auch auf Facebook gibt es unzählige Seiten, auf denen man sich Unterstützung holen kann. Dadurch, dass keine Preise ausgelobt werden (ausser der Befriedigung, das Ziel erreicht zu haben), gibt es auch kein grosses Konkurrenzdenken und die Teilnehmer helfen sich gerne gegenseitig.

Viele Verleger und Agenten haben den National Novel Writing Month übrigens ganz genau im Auge und nutzen ihn als eine Art Talentpool. Seit 2006 wurden ungefähr 100 Bücher, die im Rahmen des Wettbewerbs geschrieben wurden, auch tatsächlich von renommierten Verlagen veröffentlicht.




 

Oberstes Bild: © LeicherOliver – Shutterstock.com


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