Ausstellungstipp: „Opium“ im Museum der Kulturen in Basel

18.04.2015 |  Von  |  News
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Ausstellungstipp: „Opium“ im Museum der Kulturen in Basel
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Das Museum der Kulturen in Basel hat dem Opium eine Ausstellung gewidmet, in der Interessierte der klebrigen, braunen Masse durch die wechselnden Urteile und Wahrnehmungen im Laufe der Zeit folgen können. Die Ausstellung versucht aufzuzeigen, welche angsterzeugenden und abstossenden, aber auch poetischen, inspirierenden, fiktionalen und mythischen Dimensionen das Opium umgeben.

Jean Cocteau konstatierte im Jahr 1930: „Hier schaltet sich freilich der Staatsanwalt ein. Aber ich bin nicht Zeuge. Ich verteidige nichts. Ich richte nicht. Ich trage belastende und entlastende Urkunden zum Prozess des Opiums bei.“ Eben dieser Prämisse haben sich auch die Macher der Ausstellung verschrieben, während sie versuchen, die verschiedenen Dimensionen des Opiums zu beleuchten.

Opium – eine eine Substanz mit vielen Namen

Bezeichnet wird Opium mit vielen Namen: angefangen bei braune Fee über Kriegsgrund, heiliger Rausch, Gift und fremder Dreck bis hin zum Satanswerk. Noch im 19. Jahrhundert war die Substanz eine Volksdroge, von der rund um den Globus Millionen von Menschen abhängig waren. So wurde der Opiumkonsum bald per Gesetz geregelt. Neben Pablo Picasso, der einst Jean Cocteau erklärte: „Nichts riecht so wenig dumm wie Opium. Vielleicht noch etwa der Zirkus und ein Hafen“ konstatierte eben dieser Freund Picassos in seinem 1929 erschienenen Buch „Les enfants terribles“, das Opium habe eine faszinierende und anziehende Wirkung und bestimme das Leben und das Handeln seiner Figuren. Wörtlich beschreibt Cocteau zwar lediglich die Wirkung eines giftigen Harzes, dass es sich bei diesem allerdings um Opium handelte, war eindeutig. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Ära des Opiums zu diesem Zeitpunkt bereits ihrem Ende neigte, scheint Cocteau sich genötigt, in Anspielungen zu verbleiben. Sicher ist dagegen, dass der Missbrauch von Opium in zahlreichen europäischen Ländern seit Anfang des 20. Jahrhunderts strafrechtlich verfolgt und auch bestraft wird.


Museum der Kulturen in Basel (Bild: Mattes, Wikimedia, CC)

Museum der Kulturen in Basel (Bild: Mattes, Wikimedia, CC)


Opium – aus Mesopotamien rund um den Globus

Mit den europaweit erlassenen Opiumgesetzen fand eine Zivilisationsgeschichte ihr Ende, deren Anfang mehr als 8000 Jahre zurückliegt, denn seitdem wurde das Opium, auch bekannt als Schlafmohn, von den Menschen der verschiedensten Kulturen als (Nutz-)Pflanze angebaut. So galt der Schlafmohn in Mesopotamien als die Pflanze der Freude, die Alten Ägypter besassen spezielle Gefässe, eigens um den Saft des Schlafmohns aufzubewahren und auch in der griechischen Antike galt der Schlafmohn für unterschiedliche Gottheiten als Sinnbild. Letztlich avancierte das Opium unter den römischen Kaisern zur Zivilisationsdroge und wurde nach der Ausbreitung des Christentums erstmals geächtet. Allerdings bediente sich die europäische Medizin – bedingt durch den Kontakt mit den Arzneien der Araber während der Kreuzzüge – bald wieder des Opiums. So entwickelte der weltbekannte Gelehrte Paracelsus aus dem Saft des Schlafmohns ein Allheilmittel, welchem er den Namen Laudanum gab.

Freilich sollte der medizinische Gebrauch des Opiums nicht das Ende der Geschichte des Schlafmohns sein. So vollzog sich erneut ein Wandel vom Medikament zur Droge im China der Neuzeit. Der Grund hierfür lag in der sehr teuren Beschaffung und Einfuhr von Tabakblättern. Eine Alternative war schnell gefunden: Statt auf teure Tabakimporte setzte man auf die billiger beziehbaren Blätter des Schlafmohns. Mit dem veränderten Gebrauch ging natürlich auch eine veränderte Wirkung einher. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Opium lediglich geschluckt, durch die Verarbeitung im Tabak und die damit einhergehende Inhalation kam es zu einer dramatischen Wirkung. Im gesamten chinesischen Reich entstanden Opiumhöhlen, die es Abhängigen ermöglichten sich bis in die Bewusstlosigkeit zu rauchen. Die westlichen Autoritäten machten sich dies zunutze und trieben aufgrund der gestiegenen Nachfrage schwunghaften Handel mit der Droge. Als der Kaiser von China letztlich versuchte, gegen diese Unsitte vorzugehen, wurde er in zwei Opiumkriegen dazu gezwungen, den Markt für die Droge offen zu halten.

Schliesslich wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts auch in vielen westlichen Ländern Opiumhöhlen errichtet. Bedingt wurde diese Entwicklung durch viele aus Indochina heimkehrende Händler und Soldaten sowie zahlreiche Chinesen, die aufgrund des Mangels an Arbeitskräften im Zuge des Goldrausches nach Amerika auswanderten. Da die Chinesen es vorzogen, sich nach getaner Arbeit mit Opium zu entspannen, anstatt dem Alkohol zu frönen und betrunken zu randalieren, avancierten sie schon bald zu den begehrtesten Arbeitern.

Genau in dieser Zeit avancierte in Europa eine Mixtur aus Absinth und Laudanum zur Modedroge. In Deutschland kam es derweil zu einer noch gefährlicheren Entwicklung, denn aus dem Schlafmohn wurde eine neue chemische Verbindung entwickelt, nämlich das Heroin, das als Hustensaft fungieren sollte.

Die Opiumausstellung startet mit einem braunen Klotz

Opium – gewonnen wird es aus der Flüssigkeit der angeritzen Schlafmohnkapseln. Wird der Saft des Schlafmohnes getrocknet, verwandelt sich die Flüssigkeit in eine braune bis schwarze Masse, die als Rohopium oder auch als Opiumbrot bezeichnet wird. Genau hier setzt die Ausstellung „Opium“ an, denn gezeigt wird ein solcher brauner Klotz. Das in Basel zur Schau gestellte Opiumbrot wurde aus der Türkei bereits im Jahr 1973 an ein Basler Chemieunternehmen geliefert, natürlich für den wissenschaftlichen Gebrauch. Obschon das Rohopium bereits 42 Jahre alt ist, könnte es auch heute noch verwendet werden, denn ein Opiumbrot hält sich mehrere Jahrzehnte, bestenfalls sogar Jahrhunderte. Des Weiteren wird in der Ausstellung die Herstellung von Opium sowie dessen Konsum thematisiert. Entsprechend können sich Interessierte im Museum der Kulturen auf eine Reise durch die Kontinente und die Jahrhunderte begeben, indem sie den Spuren der teils als legal und teils als illegal geltenden Substanz als Aphrodisiakum, als Rauchmittel oder als Arznei folgen. So beflügelten die bewusstseinsverändernden Eigenschaften dieser Substanz einerseits ganze Kulturen, andererseits nahmen sie Kranken zumindest zeitweise die Schmerzen.

Der Opiumanbau in der Schweiz

Schlafmohn wird in der Schweiz bereits seit mehr als 5000 Jahren kultiviert. So gehen gehen die ersten Funde in der Schweiz auf Pfahlbausiedlungen bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück und die Verwendung von Opium für medizinische Zwecke wurde schon in viertausend Jahre alten Quellen beschrieben. Im Mittelalter galt Opium schliesslich als Universalheilmittel und war so populär, dass die Schweizer den Nuggi wie selbstverständlich darin tunkten beispielsweise um kleine Kinder zu beruhigen. Der Opiumboom breitete sich bis ins 19. Jahrhundert auch in der Schweiz weiter aus, so dass das Rauschmittel neben der Basler Oberschicht vor allen in Künstlerkreisen konsumiert wurde.



Wie in zahlreichen anderen europäischen Ländern wurden auch in der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts strenge Regeln rund um das Opium eingeführt. Dennoch ist Opium bis heute zumindest als Schmerzmittel in Gebrauch, so dass es – wenn auch mit strikten Vorschriften – weiter angebaut wird. Allerdings kommt dem Anbau von Schafmohn heute keine so grosse Bedeutung wie früher zu. Wurden noch im Jahr 1945 in etwa 1313 Hektar zur Kultivierung genutzt, betrug die Anbaufläche nach Kriegsende im Jahr 1955 nur noch drei Hektar. Allerding gibt es seit Anfang des 21. Jahrhunderts erneut Ansätze für den Anbau von Schlafmohn. Dabei werden Bio-Landwirte durch die staatliche Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (kurz: ART) speziell gefördert. Dennoch werden bis dato nur Kleinstflächen, d. h. wenige Hektar, für den Mohnanbau genutzt. Hinzu kommt, dass der Mohnverbrauch mit etwa 115 Tonnen pro Jahr in der Schweiz relativ gering ausfällt, so dass es sich wohl auch in den folgenden Jahren eher um eine Nischenproduktion handeln wird.

Dass sich das Opium seit Jahrtausenden nicht geändert hat, sondern vielmehr die Urteile und Wahrnehmungen der Menschen darüber, konstatierte Jean Cocteau bereits im Jahr 1930. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, sollte sich die Ausstellung im Museum der Kulturen in der Augustinerstrasse 8 in Basel keinesfalls entgehen lassen.

 

Oberstes Bild: Wikimedia


Ihr Kommentar zu:

Ausstellungstipp: „Opium“ im Museum der Kulturen in Basel

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die belmedia AG behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.