Die Expo 2015 in Mailand: den Planeten ernähren, Energie für das Leben

14.05.2015 |  Von  |  Alles
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Die Expo 2015 in Mailand: den Planeten ernähren, Energie für das Leben
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„Nutrire il pianeta, energia per la vita” – so lautet das Motto der Expo 2015 in Mailand. Übersetzt heisst das: “Den Planeten ernähren, Energie für das Leben”. Die Schau wurde erst vor wenigen Tagen, am 1. Mai eröffnet. Damit ist die Millionenmetropole in Norditalien zum zweiten Mal Gastgeber einer Weltausstellung. Bis zum 31. Oktober, wenn die Expo schliesst, erwartet Mailand bis zu zwanzig Millionen Besucher aus vielen Ländern der Erde auf dem Ausstellungsgelände.

Gesunde und ausreichende Ernährung in Verbindung mit innovativen Technologien und nachhaltigem Wirtschaften stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Expo. Damit knüpft das Ausstellungsmotto bereits an frühere Schwerpunktthemen an, die sich mit Zukunftsfragen der Menschheit und begrenzten Ressourcen befassten. So stand die Expo 2008 in Saragossa unter dem Motto „Wasser und nachhaltige Entwicklung“.

Mailand hatte schon einmal die Weltausstellung

Genau vor 99 Jahren fand in Mailand schon einmal eine Weltausstellung statt, die Vorläuferin der heutigen Expo. Damals drehte sich alles um das Thema „Verkehr“. Die Ausstellung im Jahre 1906 erfolgte parallel zur Eröffnung des Simplontunnels, der damals die Verbindung zwischen der Schweiz und Italien entscheidend verkürzte und eine technische Grosstat seiner Zeit war. Auf dem Gelände der Weltausstellung wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg dem Motto entsprechend alles präsentiert, was mit dem sich explosionsartig entwickelnden Verkehr zusammenhing. Unter anderem gab es einen Ballonpark, Luftschiffe wurden gezeigt, natürlich Eisenbahntechnik und eine Innovation der damaligen Zeit – das Automobil.

Fast hundert Jahre später haben sich die Themenschwerpunkte verschoben. Angesichts der weiter dynamisch wachsenden Weltbevölkerung ist die Produktion von genügend Lebensmitteln und deren gerechte Verteilung zu einer globalen Herausforderung geworden. Die Situation erscheint paradox: Während in den entwickelten Industrieländern ein grosser Überfluss an Lebensmitteln herrscht, Jahr für Jahr Millionen Tonnen an Essbarem weggeworfen werden und Probleme vor allem im Zuviel und Ungesunden liegen, herrscht in anderen Regionen der Welt akute Nahrungsmittelknappheit bis hin zu Hungersnöten. Auf diese Diskrepanz will die Expo 2015 in Mailand aufmerksam machen und damit gleichzeitig eine Plattform bieten, um mehr Bewusstsein für das Thema Welt-Ernährung zu schaffen und Impulse für die Entwicklung von Lösungsstrategien zu geben.

Ein hoher Anspruch, während die Realität oft anders aussieht

Die diesjährige Expo in Norditalien versteht sich damit im Gegensatz zu ihren Vorgängern weniger als Leistungsschau, denn als Diskussionsforum. Das ist zumindest der Anspruch. Tatsächlich geht es bei vielen Pavillons der insgesamt 145 Teilnehmer-Nationen auch um wirksame Selbstdarstellung. Dabei präsentieren sich die einzelnen Länder nicht nur als potentielle Reiseziele. Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, werden überall auch Spezialitäten aus den jeweiligen Regionen angeboten. Schliesslich kann man grosse Besucherscharen nicht nur mit Diskussionen und der Erörterung von Problemen anlocken. Auch grosse Lebensmittelkonzerne sind auf der Expo präsent und betreiben im Rahmen von Sponsoring-Aktivitäten Public Relations. Nicht jedem, der das Motto der Weltausstellung ernst nimmt, gefällt das. So überrascht es nicht, dass Demonstrationen und Proteste die Eröffnung am 1. Mai begleiteten. Den Besucherandrang konnte das allerdings nicht bremsen. In der ersten Woche kamen rund 130.000 Neugierige Tag für Tag auf das Expo-Gelände – trotz oft durchaus happiger Preise für Eintritte, Essen und Trinken.



145 Staaten beteiligen sich

Die Ausstellungsfläche befindet sich im Nordwesten von Mailand in den Vororten Rho und Pero. In unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Messegelände Fiera di Milano gelegen wurde eine ehemaliges Industriegelände und Gewerbegebiet für diesen Zweck grundlegend neu gestaltet. Das Expo-Gelände umfasst eine Gesamtfläche von 1,1 Millionen Quadratmetern. Viele Teilnehmer-Staaten sind dort mit eigenen Pavillons vertreten, die sich entlang zentraler Achsen aneinanderreihen. Für andere wurden sogenannte Cluster geschaffen, in denen jeweils mehrere Länder zusammengefasst sind, für die ganz bestimmte Nahrungsmittel eine zentrale Rolle spielen. Im Cluster „Kakao und Schokolade“ sind zum Beispiel die Kakao-Produzenten Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Kamerun, Kuba und Sao Tomé und Principe zu finden. Andere Cluster beziehen sich auf Reisanbau, Kaffeeproduktion, Hülsenfrüchte und Obst usw.. Die Pavillons sind in der Regel recht futuristisch-modern gestaltet, einige ahmen aber auch typische Bau- und Gestaltungsformen der jeweiligen Aussteller-Länder nach.

Ein Herzstück der ganzen Anlage ist der italienische Pavillon, der Palazzo Italia. Er widmet sich in besonderer Weise der italienischen Kochkunst. Das ist aber selbstverständlich nicht sein einziges Thema. Darüber hinaus gibt es Orte, Plätze und Gebäude, die übergreifend oder zielgruppengerecht Fragen der Ernährung behandeln und vorstellen. So wurde ein eigener Kinderpark geschaffen, es gibt Ausstellungen und Präsentationen zu „Lebensmitteln in der Kunst“, zu Zukunftstechnologien in der Lebensmittelproduktion, einen Biodiversitäts-Park und vieles mehr. Man hat bei der Gesamtanlage auf viel Grün geachtet und auch auf Nachhaltigkeit. Die Pavillons sollen nach der Expo wiederverwendet werden können. 

Die Schweizer bauen essbare Türme

Im Gegensatz zu seiner unmittelbaren Nachbarschaft präsentiert sich der Schweizer Pavillon auf der Expo 2015 geradezu nüchtern und schlicht. Der in hellem hölzernem Braun gehaltene Bau in Kastenform kommt ohne Schnörkel aus. Mit einer Gesamtfläche von über 4.400 Quadratmetern gehört er dennoch zu den grösseren Länder-Repräsentanzen auf der Weltausstellung. Der Bau des Pavillons erfolgte unter der Projekt-Bezeichnung „Confooderatio Helvetica“ – einem Wortspiel, das bewusst die lateinische Benennung „Confoederatio Helvetica“ für die Schweiz mit dem englischen Wort „Food“ verknüpft.

Der Bau besteht aus zwei Teilen – dem eigentlichen Ausstellungsgebäude und einem Bereich mit vier gläsernen siloartigen Türmen. Die Türme sind mit Lebensmitteln gefüllt, an denen sich Besucher des Pavillons bedienen können. Die Türme sind insofern „essbar“ – ein besonders origineller Beitrag. Der Haltbarkeit wegen wurden Wasser, Salz, Kaffeepulver und getrocknete Apfelringe gewählt. Die ursprüngliche Idee, Spezialitäten wie Schweizer Käse oder Schokolade als „Füllung“ zu nutzen, liess sich aus Gründen der Lebensmittelhygiene nicht verwirklichen. Die von den Besuchern verbrauchten Lebensmittel werden dabei nicht nachgeliefert, so dass die Türme im Verlauf der Expo immer leerer werden. Damit soll den Besuchern augenfällig verdeutlicht werden, dass Nahrungsmittel eine begrenzte natürliche Ressource sind – im wahrsten Sinne des Wortes ein knappes Gut.

Der Schweizer Beitrag zur Expo 2015 fügt sich in diesem Sinne nahtlos in das Grundkonzept und den Antritt der Expo 2015 ein. Ein Besuch der Weltausstellung lässt sich ideal mit einem Trip in die Finanz-, Handels- und Modemetropole Mailand verbinden. Von der Schweiz aus ist das urbane Zentrum Norditaliens – nicht nur dank des Simplontunnels – problemlos zu erreichen.

 

Oberstes Bild: © miqu77 – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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