Die schönsten traditionellen Schweizer Events im Juni

27.05.2015 |  Von  |  News
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Die schönsten traditionellen Schweizer Events im Juni
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Das Brauchtum und die Traditionen in unserem Land sind facettenreich und werden von vielen Vereinen mit Herzblut am Leben gehalten. Jeder Kanton hat seine eigenen traditionellen Anlässe, und es ist gar nicht möglich, alle hier vorzustellen.

Oft finden in kleinerem Rahmen weniger bekannte Feste oder Märkte statt, die gerade für Aussenstehende, welche meist zufällig dazustossen, unvergesslich bleiben. Nicht nur die Städte, auch die meisten Dörfer haben auf ihren Websites Kalender, in denen sich interessante Veranstaltungen finden. Chilbis, Alpaufzüge, Fasnacht, Mittelaltermärkte, urchige Sportveranstaltungen … all das ist auch für Auswärtige immer ein tolles Erlebnis.

Viele der jährlich wiederkehrenden Events ziehen Tausende Besucher an, von denen manche extra aus dem Ausland anreisen. Da bei den meisten Festen das Datum von Jahr zu Jahr abweicht, stelle ich euch die Veranstaltungen jeweils für den kommenden Monat vor. Auf den Homepages der Gemeinden oder Tourismusbüros findet ihr die genauen Angaben. So gilt diese Aufstellung nicht nur für das laufende Jahr, sondern auch für alle folgenden.

Fronleichnam

Fronleichnam ist ein katholischer Feiertag. Entsprechend wird in den katholischen Kantonen an diesem Tag nicht gearbeitet. Ein „Sonderfall“ ist hierbei Graubünden. Als Folge der Souveränität konnten im 16. Jahrhundert die Bündner Gemeinden ihre Konfession selbst festlegen. Deshalb wird vielerorts an Fronleichnam gearbeitet, während andere Regionen, wie beispielsweise das Vorderrheintal oder das Puschlav, den Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag feierlich begehen.

Die schönsten Prozessionen finden in Appenzell, im Val‘Anniviers im Wallis und in Düdingen in Freiburg statt. Die Appenzeller nennen Fronleichnam „Öse Herrgottstaag“und begehen ihn mit prächtigen Aufmärschen. Die Frauen tragen dann würdevoll die wunderschöne Festtagstracht. Seit Hunderten von Jahren ist es Tradition, dass 15 Jungfrauen, gekleidet in ihre spezielle Tracht, bemalte Holztäfelchen bei den Prozessionen tragen. Die Tafeln erzählen von den Geheimnissen des schmerzhaften, freudigen und glorreichen Rosenkranzes.

Bei der Walliser Prozession fallen die Herren auf: Sie tragen die Grenadieruniformen, in denen die Schweizer einst Napoleon dienten. Dieser Brauch geht zurück auf die Zeit, als die Männer aus der Region gezwungen waren, ihr Geld als Söldner in fremden Heeren zu verdienen.

Die Fribourger Prozession ist sehr festlich, schöne Trachten und Uniformen sind zu sehen. Die jungen Frauen tragen Trachten mit einer prächtig verzierten Krone, die nur zu festlichen Anlässen zu sehen sind.


Fronleichnam-Brauch in Erschmatt, Gemeinde Leuk, Wallis, Schweiz (Bild: Silvio Tanner, Wikimedia, CC)

Fronleichnam-Brauch in Erschmatt, Gemeinde Leuk, Wallis, Schweiz (Bild: Silvio Tanner, Wikimedia, CC)


Der Gotthelf-Märit in Sumiswald, Kanton Bern

1997 ehrte man Jeremias Gotthelf anlässlich seines 200. Geburtstages in seiner Heimat mit einem Markt: dem Gotthelf-Märit, der seitdem alljährlich am zweiten Samstag im Juni fünfstellige Besucherzahlen erreicht. Ein abwechslungsreiches Programm und um die 160 Marktstände begeistern Jung und Alt. Das Warenangebot und die vorgestellten Handwerke entführen in frühere Zeiten und auch das kulinarische Angebot ist eine Reise wert. Neben Emmentaler Spezialitäten verwöhnt alljährlich eine Gastregion die Besucher.

Der Gotthelf-Märit in Sumiswald ist der grösste Schweizer Bauernmarkt. Was ihn ausserdem von anderen Märkten abhebt, sind die Trachten und Kostüme, die nicht nur Aussteller, sondern auch viele Besucher tragen. Lasst euch dieses Spektakel nicht entgehen und schaut Chacheliflickern, Strohflechtern, Korbmachern, Bäckerinnen und vielen anderen bei der Arbeit zu. An manchen Ständen ist das Mitmachen unter fachkundiger Anleitung möglich. Eine solch gelungene Zeitreise bieten nicht viele Events!



Das Albanifest in Winterthur

Seit 1971 strömen jeweils am letzten Juniwochenende Tausende Feierlustige nach Winterthur. Vor allem für junge Leute ist dieser Mix aus Party, Chilbi und Multikulti-Fest ein Publikumsmagnet. Weit über 100 Festwirtschaften mit einheimischer und internationaler Küche, rund 50 Bands und Orchester, unzählige Karussells und Bahnen, Verkaufsstände und vieles mehr ziehen schöne Frauen und coole Jungs an. Die ganze Winterthurer Altstadt wird zu einer Festwiese.

Man könnte annehmen, dass es dieses Fest erst seit einigen Jahrzehnten gebe. Dem ist aber nicht so: Am Albanustag im Sommer 1264 verlieh Graf Rudolf von Habsburg Winterthur das Stadtrecht. Das war Anlass genug, alljährlich an diesem Tag ausgiebig zu feiern. Erst im 18. Jahrhundert schlief diese Tradition ein und wurde 1971 in einer modernen Version wieder ins Leben gerufen.


Das Albanifest in Winterthur (Bild: Peter Alder, Wikimedia, CC)

Das Albanifest in Winterthur (Bild: Peter Alder, Wikimedia, CC)


Gedächtnisfeier Schlacht bei Murten

Ein traditioneller Anlass ist die Solennität in Murten. Das traditionsreiche Schulfest erinnert an die Schlacht bei Murten, die zwischen dem Burgunder Herzog Karl der Kühne und der Schweizer Eidgenossenschaft ausgetragen wurde. Die Innenstadt präsentiert sich zu diesem Anlass verkehrsfrei und alle Brunnen werden wunderschön geschmückt: Während die Lehrer den Schulhausbrunnen festlich ausstaffieren, schmücken die Einwohner die anderen Brunnen der Stadt. Hier geht es ruhig und besinnlich zu und die angenehme Stimmung in dem Städtchen lohnt es, an diesem Fest teilzunehmen.

Den Auftakt der Gedächtnisfeier bildet der traditionelle Kanonenschuss um 5 Uhr morgens, später folgen der wunderschöne Umzug durch die Stadt, Darbietungen der Kadetten, Tänze und weitere Veranstaltungen. Eindrücklich sind auch die kirchliche Feier sowie das Abendprogramm.


Das traditionsreiche Schulfest erinnert an die Schlacht bei Murten / Gemälde von Louis Braun (Bild: RicciSpeziari, Wikimedia, CC)

Das traditionsreiche Schulfest erinnert an die Schlacht bei Murten / Gemälde von Louis Braun (Bild: RicciSpeziari, Wikimedia, CC)


Das Kinderfest in Burgdorf

Burgdorf im Kanton Bern feiert jeweils am letzten Montag im Juni ein Frühlingsfest. Die Solennität in Burgdorf ist schweizweit die älteste. Umzüge der verschiedenen Musikgesellschaften gehören ebenso zu diesem Fest wie die weissen Kleider, die dabei getragen werden. Eine andere Tradition erfreut Jung und Alt: Zur Solätte in Burgdorf gibt es zu Mittag Erdbeerkuchen. Bis zu 10’000 Besucher werden jedes Jahr in Burgdorf erwartet. Nicht nur die Einwohner lassen sich in der festlichen Stimmung treiben: Viele, die in Burgdorf aufwuchsen, reisen teilweise von weither an und nehmen diesen Tag zum Anlass, die Heimat wieder zu besuchen und sich mit ehemaligen Schulfreunden zu treffen.

Alpaufzug Englistenalp

Auch mein letzter Tipp führt in den Kanton Bern. Immer Ende Juni könnt ihr hier den vielleicht eindrücklichsten Alpaufzug der Schweiz hautnah miterleben. Bereits um 5 Uhr werden die ersten Gäste mit der Bahn auf die Alp hinaufgebracht, bevor sich eine halbe Stunde später ca. 500 prächtig geschmückte Tiere auf den Weg zu ihrem Sommerquartier machen. Bis es so weit ist und die Herden auf der Alp eintreffen, verzaubert der Sonnenaufgang die Besucher und serviert das Berghotel einen umfangreichen Brunch.


Alpaufzug im Berner Oberland (Bild: BAHA, Wikimedia, GNU)

Alpaufzug im Berner Oberland (Bild: BAHA, Wikimedia, GNU)


Ende Juni stelle ich euch die beliebtesten traditionellen Veranstaltungen, die im Juli stattfinden werden, vor. Vielleicht habt ihr für unsere Leser einen Geheimtipp, wisst von einem Anlass, der „typisch Schweiz“ ist, und möchtet uns diesen verraten? Dann könnt ihr gerne das Kontaktformular auf dieser Seite oder Facebook nutzen.

 

Oberstes Bild: Fronleichnam-Prozession in Alpenzell (© IGOR ROGOZHNIKOV / Shutterstock.com)

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