20 Jahre Migros Museum für Gegenwartskunst

11.08.2016 |  Von  |  Kunst, News
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20 Jahre Migros Museum für Gegenwartskunst
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Unter dem Titel „20 – An Exhibition in Three Acts“ richtet das Migros Museum für Gegenwartskunst anlässlich seines 20-jährigen Bestehens für einmal den Blick auf sich selbst – und dies sowohl mit einem Ausblick in die Zukunft als auch einem Rückblick in die Vergangenheit. Ermöglicht werden soll eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Institutionshistorie und Sammlungsgeschichte wie auch mit der kuratorischen Programmatik des Hauses.

Der Ausstellungsteil Museum Revisited – 1996-2016 im Untergeschoss widmet sich dem musealen Alltag und bietet ungewohnte Einblicke hinter die Kulissen. Dabei spielt die Kunstvermittlung eine prominente Rolle.

Zudem wird das 20-jährige Schaffen des Museums anhand der erschienenen Publikationen, Plakate, Foto- und Videodokumentationen sowie des Archivmaterials nachgezeichnet. Parallel dazu zeigt ein zweiteiliger Ausstellungszyklus im Obergeschoss Werke aus der Sammlung: zum einen performative und prozessorientierte Werke aus den Jahren 1960 bis 1982 – zum anderen eine über 300 Quadratmeter grosse Skulptur von Karla Black (*1972 in Alexandria, Schottland, lebt und arbeitet in Glasgow).

Verbunden werden diese beiden Ausstellungsteile durch ein Zwischenspiel mit einer Arbeit von Eva Kot’átková (*1982 in Prag, lebt und arbeitet in Prag). Begleitend zur Jubiläumspräsentation, erscheint im Januar 2017 in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig eine Anthologie, welche die Funktionen eines Museums für Gegenwartskunst aus verschiedenen Perspektiven diskutiert.


Gustav Metzger, Liquid Crystal Environment, 1965–66/1998, 5 Diaprojektoren, Flüssigkristalle, Kleinbilddiapositivrahmen mit Glas, mechanische Steuerung. Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. (Bild: FBM Studio, Zürich)

Gustav Metzger, Liquid Crystal Environment, 1965–66/1998, 5 Diaprojektoren, Flüssigkristalle, Kleinbilddiapositivrahmen mit Glas, mechanische Steuerung. Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. (Bild: FBM Studio, Zürich)


Als Ort der Produktion wie auch der Reflexion hat sich das Migros Museum für Gegenwartskunst in den letzten 20 Jahren exemplarisch als Haus für zeitgenössische Kunst und als Museum etabliert, das sein eigenes institutionelles Format immer wieder zur Diskussion stellt. Von Anfang an war es ein zentrales Anliegen des Museums, eine aktive Teilnahme des Publikums anzustreben und eine diskursive Auseinandersetzung mit Kunst zu fördern.

In diesem Sinne empfängt 20 – An Exhibition in Three Acts seine Besucher mit der raumfüllenden Arbeit Landschaft, metaphysisch und konkret (nach Max Bill) (1998) von Olaf Nicolai (*1962 in Halle an der Saale, lebt und arbeitet in Berlin). Diese verdeutlicht den Fokus auf partizipative Kunst, wie er vor allem in den 1990er-Jahren für das Migros Museum für Gegenwartskunst charakteristisch war.

Die Installation, welche unterschiedlich „genutzt“ werden kann, ist während des Jubiläums zugleich Skulptur und Ort zum Verweilen, Diskutieren, gemeinsamen Erinnern oder zur vertieften Lektüre. Das Werk dient auch als Plattform für die Kunstvermittlung, die mit einem „Vermittlungsatelier“ in die Ausstellungsräume einziehen wird. Die klassische Ausstellungssituation wird so durchbrochen, und die Besucher können zusammen mit Fachleuten Themen erörtern wie die Produktion von neuen Werken, die technische und konservatorische Dokumentation, die Restaurierung, die Lagerung, den Transport, den Auf- und Abbau sowie Versicherungen und juristische Fragestellungen im Zusammenhang mit zeitgenössischen Kunstwerken.


Xanti Schawinsky, Transition, 1960, Öl auf Leinwand, 203.4 x 381.4 cm. (Bild: Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst)

Xanti Schawinsky, Transition, 1960, Öl auf Leinwand, 203.4 x 381.4 cm. (Bild: Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst)


Um dabei möglichst vielfältige Perspektiven einzubeziehen, arbeitet das Museum mit unterschiedlichen Partnern zusammen. Dazu gehören Kunsthochschulen und Universitäten ebenso wie zahlreiche andere kulturelle und soziale Institutionen.

Neben diesen Themenfeldern, die einerseits den musealen Umgang mit zeitgenössischer Kunst betreff en sowie andererseits die Funktionen und Aufgaben eines Museums für Gegenwartskunst befragen, wird der „Charakter“ der seit 1957 stetig wachsenden Sammlung veranschaulicht. In einem der Geschichte des Migros Museum für Gegenwartskunst gewidmeten Raum im Untergeschoss wird die zeitlich wie personell unterschiedlich geprägte Ankaufstätigkeit – unter anderem mit zum ersten Mal öffentlich zugänglichem Archivmaterial – abgebildet.

Mit Blick auf einen Schwerpunkt der Sammlung in den letzten 20 Jahren zeigt die zweiteilige Ausstellung im Obergeschoss insbesondere performative und prozessorientierte Werke. Die Gruppenschau Collection Revisited – 1960-1982 bildet dabei den Auftakt. Zu sehen sind Werke von Theo Altenberg, Judith Bernstein, Marc Camille Chaimowicz, Cosey Fanni Tutti, Eustachy Kossakowski / Tadeusz Kantor, Babette Mangolte, Graciela Gutiérrez Marx, Gustav Metzger, Luis Pazos, Maria Pininska-Beres, Xanti Schawinsky, Katharina Sieverding, Alina Szapocznikow und Stephen Willats.

Diese Künstler stehen für eine dynamische Kunstgeschichtsschreibung, die offen bleibt für Positionen ausserhalb des traditionellen Kanons. Es folgt ein Zwischenspiel mit dem neu angekauften Werk Collection of Suppressed Voices (2014) von Eva Kot’átková. Die Installation beschäftigt sich mit unterdrückten Stimmen und Kommunikationsproblemen und besteht aus Skulpturen, die durch eine Performance aktiviert werden.

Im zweiten Ausstellungsteil präsentiert das Museum Principles of Admitting (2009) von Karla Black: eine ephemere Skulptur, die unter anderem aus Gips, Farbpigmenten und Make-up-Substanzen besteht. Diese Arbeit zeichnet sich durch eine Komplexität hinsichtlich ihrer Konservierung aus und steht exemplarisch für viele Werke der Sammlung.



Durch die Kombination der beiden unterschiedlichen Ausstellungsansätze im Unter- und Obergeschoss macht sich das Museum als Ort der Wissensvermittlung, der kreativen Auseinandersetzung und Diskussionen erfahrbar. Seine ungewöhnlich enge Verschränkung von Sammlungs- und Ausstellungspraxis wird zudem für die Besucher im Kontext der Geschichte des Hauses auf vielfältige Weise veranschaulicht.

Die Ausstellung wird kuratiert von Heike Munder (Leiterin, Migros Museum für Gegenwartskunst), Raphael Gygax (Kurator, Migros Museum für Gegenwartskunst) und Nadia Schneider Willen (Sammlungskonservatorin, Migros Museum für Gegenwartskunst).

Vernissage: Freitag, 14.10.2016, 18 bis 21 Uhr mit anschliessender Party

„Museum Revisited – 1996-2016“
15.10.2016-05.02.2017

„Collection Revisited – 1960-1982“
15.10.-27.11.2016

Interlude

„Eva Kot’átková: Collection of Suppressed Voices“
02.12.-04.12.2016
Special Reception: 01.12. 2016, 18 Uhr

„Karla Black: Principles of Admitting“
09.12.2016-05.02.2017
Special Reception: 08.12.2016, 18 Uhr

 

Artikel von: Migros Museum für Gegenwartskunst
Artikelbild: Marc Camille Chaimowicz, „Celebration? Realife Revisited“, 1972-2000, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Assemblage verschiedener Materialien, Grösse variabel, Detail. (© obs / Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales / Fotograf: Stefan Altenburger, Courtesy the artist and Cabinet, London)

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