Parcours Humain Zürich – Kunst für Menschlichkeit

22.08.2016 |  Von  |  Kunst, News
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Parcours Humain Zürich – Kunst für Menschlichkeit
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Kaum ein Thema bewegt die europäische Öffentlichkeit derzeit so wie die Flüchtlingsströme. Geschätzt 57 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg und Elend. Auch die Schweiz ist ein Fluchtziel. Nicht immer sind die Flüchtlinge hier und anderswo willkommen.

Der Umgang mit Flüchtlingen berührt grundsätzliche Haltungen und Standunkte zur „Menschlichkeit“ – und ist damit auch ein Ansatzpunkt für künstlerische Auseinandersetzung. Die schweizweite Ausstellungsfolge „Parcours Humain“ schlägt eine Brücke zwischen Postulaten der Menschlichkeit, des humanitären Völkerrechts und der zeitgenössischen Kunst. Im Parcours Humain Zürich steht das Thema FLUCHTPUNKT unter der Perspektive HIER UND DORT im Fokus.

Der Weg über das Mittelmeer ist nach einer Studie der Internationalen Organisation für Migration die weltweit gefährlichste Route für Flüchtlinge. Immer mehr Menschen versuchen über den Seeweg nach Europa zu gelangen, wobei ihre schiere Zahl immer wieder humanitäre Katastrophen hervorruft. Seit dem Jahr 2000 sind mindestens 23‘000 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen.

In der Parcoursstation Art Space Binz in Zürich befassen sich künstlerischen Positionen mit den Mittelmeer-Fluchtpunkten. Im Vordergrund stehen Kunstwerke, welche den Besucher für die Situation auf der Insel Lampedusa, in der spanischen Enklave Melilla in Marokko oder in der Subsahara sensibilisieren. Wir stellen hier stellvertretend drei Kunstwerke vor.


Leuchtturm (Bild: © Parcours Humain Zürich)

Leuchtturm (Bild: © Parcours Humain Zürich)


1. Leuchtturm für Lampedusa – Installation: Thomas Kilpper

Aus Versatzstücken gestrandeter Flüchtlingsboote zusammengesetzt ist die Installation „Ein Leuchtturm für Lampedusa“ des deutschen Künstlers Thomas Kilpper Mahnmal und Modell zugleich. In Zusammenarbeit mit Architekten, Ingenieuren und Ortsansässigen will Kilpper auf Lampedusa einen Leuchtturm mit angegliedertem Kulturzentrum bauen. Dieses Werk kann als Metapher für eine humanitäre Flüchtlingspolitik stehen: Wie ein Leuchtturm, der Menschen in Seenot den Weg weist, verweist der Leuchtturm für Lampedusa auch auf das Ausstellungkonzept als Zeichen auf einem „Weg der Menschlichkeit“.

Thomas Kilpper (*1956 in Stuttgart) ist Installationskünstler, Zeichner und Holzschneider. Er studierte Malerei und Bildhauerei an den Kunstakademien in Nürnberg und Düsseldorf. An der Städelschule in Frankfurt am Main wurde er 1998 Meisterschüler von Georg Herold. Kilpper ist bekannt für seine kritischen gesellschaftlichen und politischen Interventionen. Seit 2014 unterrichtet er an der Kunst- und Designhochschule Bergen, Norwegen.


Innerland (Bild: © Parcours Humain Zürich)

Innerland (Bild: © Parcours Humain Zürich)


2. Innerland – Installation: Nicolas Kozerawski und Zainab Andalibe

„Les Compagnons“ – „Die Gefährten“ – ist ein sich entwickelndes Projekt, das im Zuge von Treffen des marokkanisch-französischen Künstlerduos Nicolas Kozerawski und Zainab Andalibe mit subsaharischen Migranten in Marokko begann. Viele haben den beiden Kunstschaffenden ein Stück ihrer Geschichten erzählt. Ihre Berichte hinterfragen die Bedeutung der Migration oder Flucht im geopolitischen Kontext.

„Innerland“ bildet im Rahmen dieses Projektes eine Installation, die den Raum dieser Geschichten definiert. Die Texte über die Befragung der Flüchtlinge sind auf Rollen auf Kies- und Schotterboden als gemeinsame Fragmente von Geschichten angeordnet und warten darauf, gelesen zu werden. In Ergänzung zur Installation halten Fotos, fast eher Standbilder, weitere Momente von Treffen fest.

Andalibe Zainab wurde in Marrakesch, Marokko geboren. Die Ausbildung hat sie an der Universität Paul Valery und an der Hochschule für bildende Künste in Montpellier mit einem Masterdiplom abgeschlossen. 2012 erwarb Zainab den Sabatier Félix Award und danach hat sie insbesondere an der Biennale von Marrakesch und im Kunstmuseum von Rabat ausgestellt.

Kozerawski Nicolas wurde in Paris geboren. Er ist Absolvent der Ecole des Beaux Arts in Montpellier, lebt und arbeitet zwischen Frankreich, Belgien und Marokko. Er nahm an mehreren Ausstellungen in verschiedenen Ländern wie Belgien (Speedy Wash, Brüssel), Schweiz (Kunstraum Kugler, Genf) und Marokko (Marrakesch Biennale) teil.


Hoffnung Innerland (Bild: © Parcours Humain Zürich)

Hoffnung Innerland (Bild: © Parcours Humain Zürich)


3. HOPE – Skulpturengruppe von Carl Bucher

Bei jeder Ausstellung steht die Skulpturengruppe HOPE, die der 2015 verstorbene Künstler Carl Bucher 1983 geschaffen hat: Unterdrückte Menschen stehen auf! Das Ausstellungsprojekt endet auf dem Gelände des IKRK Hauptsitzes in Genf, wo die Skulpturengruppe DIE VERSTEINERTEN aus der gleichen Werkserie des Zürcher Künstlers für Menschlichkeit steht. Er hat in seinen Werken eine Sprache gefunden, die zeitlos und universell das Leiden des Menschen, die „situation humaine“, darstellt.

Carl Bucher wurde 1935 in Zürich geboren, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 2015 lebte. In den 1960er-Jahren feierte er mit den Flugkörpern „Landings“ den Fortschritt. In der späteren Schaffensphase schuf er mit seinen Grossplastiken Sinnbilder für das Leiden und die Unterdrückung des Menschen.

Die Ausstellung „Fluchtpunkt Mittelmeer“ ist noch bis zum 21. November 2016 in Zürich zu sehen. Weitere Infos – auch zu aktuellen Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung – bietet ein Flyer.

 

Artikel von: Parcours Humain Zürich
Artikelbild: © Parcours Humain Zürich

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