Grosser Erfolg für erstes Egon-Schiele-Symposium

10.10.2016 |  Von  |  News
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Am 29. und 30. September 2016 fand im Leopold-Museum das erste „Egon-Schiele-Symposium“ statt – mit grossem Erfolg. Das Symposium gab Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit und dem Werk des bedeutenden österreichischen Expressionisten (1890-1918). Die Tagung wurde von Hans-Peter Wipplinger eröffnet. Den Auftakt bildete eine kritische Rede des Kunsttheoretikers Bazon Brock.

Unter dem Titel „Schiele-Lehmbruck: Eine Parallelaktion der anderen Art. Alle Bildwirkung ist pornogafisch“ erläuterte Brock das Schaffen eines Kunstwerkes als Setzungshandlung im Fichtschen Sinn. Als Konsequenz daraus müssten wir, die Betrachtenden, uns vor dem Kunstwerk beweisen und nicht umgekehrt das Werk sich uns erklären. Den perfekten Zündstoff für diese Position liefert Egon Schiele selbst, wenn er seinem Onkel Leopold Czihaczek 1911 schreibt: „Wer verlangt, dass ihm ein Kunstwerk erklärt werden soll, dem soll nicht Folge geleistet werden?“.


Porträt von Egon Schiele aus dem Jahr 1915 vor seinem Spiegel im Hietzinger Atelier, im Hintergrund das Gemälde »Tod und Mädchen«, Fotografie von Johannes Fischer © Leopold Privatsammlung/Foto: Leopold Museum, Wien

Porträt von Egon Schiele aus dem Jahr 1915 vor seinem Spiegel im Hietzinger Atelier, im Hintergrund das Gemälde »Tod und Mädchen«, Fotografie von Johannes Fischer © Leopold Privatsammlung/Foto: Leopold Museum, Wien


Für Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger ist das Leopold Museum, mit seiner weltweit grössten und bedeutendsten Schiele-Sammlung, dem Schiele-Dokumentationszentrum und der Datenbank der Schiele-Autographen der ideale Ort für Begegnung und Diskurs im Zeichen von Egon Schiele. Könne man doch hier, wie in keinem anderen Haus die theoretischen Ansätze an Hand der in der Sammlungsausstellung chronologisch präsentierten Originale überprüfen.

Die gut besuchte Veranstaltung beleuchtete verschiedenste Facetten im Schaffen Egon Schieles, so etwa den Zeichner, den Maler oder den sich im Medium der Fotografie dokumentierenden Künstler.

Stiftungsvorstand Elisabeth Leopold beleuchtete zum Auftakt des zweiten Symposiumstages in Ihrem Vortrag „Ich bin durch Klimt gegangen“ den Einfluss von Gustav Klimt auf Egon Schiele, die tiefe Verehrung Schieles für den Secessionsgründer und die Überwindung Klimts durch Schiele hin zum eigenständigen Ausdruckskünstler.

Literaturwissenschaftler Stefan Kutzenberger (Leopold Museum) zog in seinem Beitrag „Selbstdarstellung und Pose. Egon Schiele und die Literatur seiner Zeit“ Parallelen zwischen den introspektiven Selbstdarstellungen des 1890 geborenen Egon Schiele und der literarischen Figur des Dorian Gray aus Oscar Wildes ebenfalls im Jahr 1890 erschienenem Roman.



Kunsthaus Zug-Direktor Matthias Haldemann analysierte in seinem Vortrag „Rhetorik der Fläche – Zur Bildlichkeit von Schieles Zeichnung“ die Bedeutung der freien Fläche im zeichnerischen ?uvre Schieles. Fotoexpertin Monika Faber, Direktorin des „Photoinstitut Bonartes“ widmete sich der „Selbstverständlichkeit Photographie“.

Künstler im späteren 19. Jahrhundert und um 1900, unter Ihnen auch Klimt und Kokoschka verwendeten die Fotografie belegbar als Vorlage und Inspirationsquelle in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Entstehen Ihrer Gemälde und Zeichnungen. Schiele hingegen arbeitete zwar in Bezug auf seine Selbstinszenierung mit diesem Medium, für seine Motivgenerierung hatte die Fotografie jedoch weniger Relevanz.

Wien Museum-Kurator Ralph Gleis betrachtete Berührungspunkte in den Werken von Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler und Egon Schiele in seinem Symposiumsbeitrag „Schiele. Hodler und Segantini. Die beseelte Natur im Symbolismus und Expressionismus“. Bundes-Provenienzforscherin Sonja Niederacher, die als unabhängige Historikerin seit 2008 den Schiele-Bestand des Leopold Museum beforscht, gab in Ihrem Vortrag „Egon Schiele und die historischen Zeitläufe des 20. Jahrhunderts“ einen detaillierten Überblick über die Entwicklung der Schiele-Rezeption in Österreich, den USA und Grossbritannien und stellte diese in einen Zusammenhang mit den grossen Zäsuren in der österreichischen Geschichte.
Franz Smola, Sammlungskurator des Leopold Museum sprach in seinem Beitrag über die Besonderheiten von Schieles farbigen Blättern. Die von Sammlern und Kennern besonders geschätzten farbigen Zeichnungen so etwa Gouachen und Aquarelle stellen eine wichtige Gruppe im Werk des Künstlers dar.

Zum Abschluss des Schiele-Symposiums erörterte der Philosoph Prof. Allan Janik (Universität Innsbruck), Vorstand der Wittgenstein Initiative, Wien im Gespräch mit Prof. Carla Carmona Escalera (Universidad de Extremadura) „Schieles Place in Wittgensteins Vienna“.

 

Artikel von: Leopold-Museum
Artikelbilder: Leopold-Museum

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