Historisches Baar entdecken: Denkmaltage bieten Führungen, Archäologie und Einblicke

Am 12. und 13. September finden die Europäischen Tage des Denkmals statt. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug setzt den diesjährigen kantonalen Schwerpunkt in Baar. Zahlreiche Führungen, Rundgänge und Einblicke hinter sonst verschlossene Türen laden dazu ein, historische Orte neu zu entdecken.

An den schweizweit stattfindenden Tagen des Denkmals öffnen zahlreiche historische Orte ihre Türen und laden dazu ein, ihre Geschichte, ihre Bedeutung und die Herausforderungen ihres Erhalts kennenzulernen. „Baudenkmäler verbinden Vergangenheit und Gegenwart. Sie schaffen Identität und tragen wesentlich zur Qualität unserer gebauten Umwelt bei“, sagt Karin Artho, Leiterin des Amts für Denkmalpflege und Archäologie.

Begrüssungsapéro beim Baarer Schwesternhaus

Der Kanton Zug setzt für die diesjährigen Denkmaltage seinen lokalen Schwerpunkt in Baar und lädt am Samstag, 12. September, die Bevölkerung um 11.30 Uhr beim Schwesternhaus in Baar zur Begrüssung ein. Am anschliessenden Apéro und bei einem offerierten Imbiss ist ein Austausch mit Landammann Andreas Hostettler, Gemeinderat und Bauvorsteher Zari Dzaferi sowie dem Team des Amts für Denkmalpflege und Archäologie möglich. Vor und nach der Begrüssung können in Baar verschiedene Veranstaltungen besucht werden.

Baar aus neuen Perspektiven entdecken

Zwei Rundgänge widmen sich dem Ortsbild von Baar: Einer zeichnet die Entwicklung des einstigen Dorfes und die Herausforderungen dieser Siedlungsentwicklung nach, der andere folgt den Spuren des fast vergessenen Baarer Baumeisters Franz Hotz und macht deutlich, wie sehr das lokale Handwerk das Ortsbild geprägt hat.


Ein Quartierrundgang rund um die Albisstrasse folgt den Spuren des Baarer Baumeisters Franz Hotz und seines prägenden Schaffens. Foto: Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug; Staatsarchiv Zug

Die Schulanlage Sternmatt zählt zu den bedeutenden Bauwerken der Nachkriegszeit in Baar. Führungen geben Einblick in die denkmalgerechte Sanierung, bei der die Gebäude sorgfältig an heutige Bedürfnisse angepasst, die Anlage erweitert und die ursprüngliche Farbigkeit der Altbauten wiederhergestellt wurde. Gerade bei historischen Gebäuden bedeutet Sanierung häufig, vorhandene Substanz möglichst zu erhalten und neue Anforderungen behutsam zu integrieren.


Die sanierte Schulanlage Sternmatt zeigt beispielhaft den sorgfältigen Umgang mit denkmalgeschützter jüngerer Architektur. Visualisierung: Nightnurse Images, Zürich

Welche Überlegungen dabei selbst bei einzelnen Bauteilen eine Rolle spielen, zeigt der Ratgeber über die fachgerechte Restaurierung historischer Haustüren. Bei den Aushubarbeiten für die Erweiterungsbauten entdeckten die Archäologen zudem ein fast 5000 Jahre altes Grab – die älteste bekannte Bestattung im Kanton. Eine kleine Ausstellung präsentiert den aussergewöhnlichen Fund und zeigt, was die archäologischen Untersuchungen bislang über seine Geschichte verraten.

Feuerwehr Baar, Zivilschutz sowie Restauratorinnen demonstrieren anhand einer Einsatzübung, wie Kulturgüter nach Bränden, Überschwemmungen oder anderen Ereignissen gerettet und gesichert werden.


Kulturgüter in Not: Einblick in die Arbeit, wie eine Rettungsaktion abläuft und was mit den Kulturobjekten im Anschluss geschieht. Foto: Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug

In einer Baugrube wurde unter zwei grossen Steinplatten ein Grab eines erwachsenen Mannes aus der Jungsteinzeit entdeckt. Foto: Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug, Jochen Reinhard

Eine Ausstellung in der Gemeindeverwaltung zeigt archäologische Funde aus Baar und vermittelt, welchen Beitrag bewilligte Suchen mit dem Metalldetektor zur archäologischen Forschung leisten. Gleichzeitig macht sie auf die Folgen illegaler Schatzsuchen aufmerksam, bei denen wertvolle historische Informationen verloren gehen.


Archäologische Funde aus Baar zeigen, welchen Beitrag Metalldetektoren zur Erforschung der Vergangenheit leisten. Auf dem Bild zu sehen ist eine römische Bronzeapplike mit Löwen und Eber. Foto: Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug, Dominique Batschelet

Auch die Industriegeschichte Baars steht im Fokus: Führungen durch die ehemalige Spinnerei an der Lorze geben Einblick in einen Pionierbau der Industriearchitektur und zeigen die Entwicklung des Areals.


Die ehemalige Spinnerei an der Lorze aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zählt zu den bedeutendsten Industriedenkmälern des Kantons Zug. Anmeldung zur Führung erforderlich. Foto: Andreas Busslinger

Versteckt unter der Oberallmig liegt mit dem ehemaligen Wasserreservoir der Spinnerei von 1890 eines der aussergewöhnlichsten Industriedenkmäler Baars. Foto: Grauwert, Beni Sutter

Zudem macht die Korporation Baar Dorf das eindrückliche Spinni-Reservoir zugänglich. Im Dorfzentrum öffnet die Bürgermeinde das historische Baarer Rathaus und der Stadtgarten Baar lädt dazu ein, einen neuen Begegnungsort kennenzulernen.


Das historische Rathaus Baar öffnet seine Türen und gewährt Einblicke in den eindrücklichen Bürgersaal im Stil der Neurenaissance. Foto: Bürgergemeinde Baar

Der gemeindliche Stadtgarten Baar entwickelt sich zu einem offenen Begegnungsort für gemeinsames Gärtnern und Austauschen. Foto: Stadtgarten Baar

Veranstaltungen auch in Zug, Cham und Neuheim

Ergänzt wird das Programm durch Veranstaltungen an weiteren Orten im Kanton. Das Zuger Depot Technikgeschichte öffnet am Samstag die Tore zu den Sammlungen der Feuerwehr-, Industrie-, Militär- und Verkehrsgeschichte.


Tag der offenen Türe im Zuger Depot Technikgeschichte. Foto: Andreas Busslinger

Am Sonntag laden das Museum für Urgeschichte(n), die Burg Zug, das Ziegelei-Museum und das Kunsthaus Zug zu Führungen und Mitmachangeboten ein.


Die Burg Zug erzählt mit ihren 26 Bauphasen die bewegte Geschichte eines einzigartigen Baudenkmals. Foto: Museum Burg Zug

Das Ziegelei-Museum zeigt, wie historische Baukeramik für kommende Generationen erhalten wird. Foto: Simon Jeanloz, Ziegelei-Museum

Plastiken, Skulpturen und Installationen eröffnen neue Perspektiven auf Geschichte und Stadtraum. Foto: Jorit Aust Photography, ProLitteris, Zürich

Dabei stehen unter anderem die gefährdeten Pfahlbaufundstellen im Zugersee, die wechselvolle Baugeschichte der Burg Zug, der Erhalt historischer Baukeramik sowie Kunst im öffentlichen Raum im Mittelpunkt. Wie historische Orte durch zeitgemässe Vermittlung zugleich Kultur-, Bildungs- und Ausflugsziele bleiben können, zeigt beispielsweise die Weiterentwicklung der Klosterhalbinsel Wettingen als Museums- und Begegnungsort.


Unter der Wasseroberfläche des Zugersees liegen einzigartige archäologische Fundstellen, deren Erhalt zunehmend gefährdet ist. Foto: Jochen Reinhard, Archäologische Tauchprospektionen Zug

Auftaktveranstaltung in Luzern

Bereits am Montagabend, 8. September, findet in Luzern die gemeinsame Auftaktveranstaltung der Denkmaltage für die Zentralschweiz statt. Ausgehend vom diesjährigen gesamtschweizerischen Motto „In Gefahr?“ thematisiert der Anlass die Chancen und Risiken des Tourismus für das Kulturerbe. Das Inputreferat von Florian Eggli (Hochschule Luzern) sowie ein von Judit Solt moderiertes Podium mit Fachpersonen aus Denkmalpflege, Tourismus und Politik widmen sich der Wechselwirkung von Tourismus und Kulturerbe.

Bitte beachten Sie, dass gewisse Programmpunkte eine vorgängige Anmeldung erfordern.

 

Quelle: Kanton Zug
Bildquellen: Titelbild: Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug; sonstige Bilder: siehe Bildlegenden

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