Fast vergessen – das Schachtelfest

18.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Fast vergessen – das Schachtelfest
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Früher war es in der Schweiz vermehrt Usus, das Schachtelfest zu feiern. Eine Zeitlang ist diese alte Tradition zwar in Vergessenheit geraten. Aber mittlerweile erfreut sich das Schachtelfest erneut einer stetig wachsenden Beliebtheit. Dabei geht es mitunter aber um mehr, als nur ums Spass haben.

Steht eine junge, ledige Frau kurz vor ihrem 25. Geburtstag, so gilt sie nach uraltem Brauch – jedoch eher scherzhaft – als „alte Schachtel“. Dies ist selbst dann der Fall, wenn das Mädel bereits in festen Händen ist. So lange ihr noch der Ring am Finger fehlt, darf das Schachtelfest also noch nach Kräften gefeiert werden.

Alle packen mit an

In der männlichen Zunft hingegen feiert man das Schachtelfest nicht, sondern die ledigen Herren der Schöpfung werden auf andere Weise „gefeiert“. So gelten ledige Männer mit 25, je nach Region aber auch erst mit 50 Jahren als „alte Socke“.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Festen ist die so genannte „Schachtel“ bei der Planung ihres Schachtelfestes in der Regel aussen vor. Denn in erster Linie gilt es, die junge Frau zu überraschen, wenn sie nach ihrer Arbeit müde und erschöpft nach Hause kommt.

Wenn ihre Freunde für sie eine Schachtelparty organisieren, dann geschieht das natürlich keineswegs in böser Absicht, sondern vielmehr mit dem Ziel, dass alle bei der Party Spass haben. Nicht zuletzt erfahren übrigens durch das Schachtelfest auch die Nachbarschaft bzw. die ledigen Herren der Umgebung, dass im Ort noch eine junge Frau unverheiratet ist. Wer weiss, was sich im Rahmen des Schachtelfestes also noch ergeben wird? Der Kreativität der Gäste bzw. der Besucher sind in dieser Hinsicht so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Von Anfang an alles richtig machen




Besonders wichtig sind dabei die Vorarbeiten, die üblicherweise von den besten Freundinnen der „Schachtel“ in spe getroffen werden. Dabei gilt es, so viele Kartonagen, Umzugskartons, Umverpackungen, Zigarettenschachteln usw. zu sammeln, dass die Anzahl hernach schier unüberschaubar ist. So bittet man zum Beispiel in lokalen Umzugsunternehmen, in Schuhgeschäften sowie in weiteren Unternehmen um kostenlose Kartons, um diese sodann bis zum Vorabend des grossen Tages bei den fleissigen Helfern und Helferinnen zu lagern.




Ist der 25. Geburtstag der Freundin gekommen, werden sämtliche Kartons mit lustigen Sprüchen beschriftet und vor der Haustür bzw. im gesamten Eingangsbereich ausgelegt und gestapelt. Wenn der „Ehrengast“ nach der getanen Arbeit nach Hause kommt und diese Flut an Kartons sieht, ist die Überraschung stets gross.

Noch schöner wird das Ganze jedoch, wenn man im Hobbyraum von einem der Freunde im Vorfeld des Geburtstags ein riesiges Plakat anfertigt, auf dem in besonderer Form auf das Schachtelfest hingewiesen wird. Zum Beispiel mit lustigen Sprüchen.

Beliebte „Nettigkeiten“, die die Freunde nach alter Tradition auf das Banner schreiben, können unter anderem folgende sein:

  • Komm‘ aus deiner Schachtel raus, das Leben ist noch lang‘ nicht aus
  • Es hilft kein Schminken und kein Spachteln – nun g’hörst du zu den alten Schachteln
  • Schon 25 und noch kein’n Mann? Halt‘ dich ‚ran
  • 25: Jeder Tag eine Falte mehr – schon bald schaut kein Mann mehr her

In einigen Regionen wird häufig auch ein Türkranz aus Schachteln gebunden. Besonders Zigarettenschachteln sind für ein solches Gebinde geradezu wie geschaffen. Je mehr im Vorfeld der Party gesammelt werden, desto länger kann der Schachtelkranz werden. Mit einer dicken Nadel und einem Paketband können die Schachteln einfach nacheinander aufgezogen und hernach über der Haustür des Geburtstagskindes befestigt werden.

In einigen Regionen der Schweiz erfreut sich das Schachtelfest wieder grösster Beliebtheit. (Bild: Pressmaster / Shutterstock.com)

In einigen Regionen der Schweiz erfreut sich das Schachtelfest wieder grösster Beliebtheit. (Bild: Pressmaster / Shutterstock.com)

Ein besonderes Fest mit tieferem Hintergrund




In gewisser Weise darf ein Schachtelfest auch als eine Art Einladung für die Junggesellen der Umgebung verstanden werden. Wo immer ein Schachtelkranz aufgehängt wird, treffen sich am Abend die jungen, ledigen Männer und statten der unverheirateten Frau einen Besuch ab. Die Freunde und Freundinnen der „Schachtelbraut“ sind natürlich bereits vor Ort und sorgen für gute Stimmung.




Dass man allein mit leeren Schachteln noch keine Party veranstalten kann, versteht sich. Deshalb organisieren die Freunde des Geburtstagskindes zuvor die Bier, Wein, Cola, ein paar Snacks und andere leckere Dinge. Getreu dem Motto: „Ein paar kulinarische Gaumenfreuden sind die Basis für eine gelungene Kommunikation“, wird es im Laufe der Festlichkeit ein Leichtes sein, das Geburtstagskind mit einem der männlichen Besucher zu verkuppeln.

Es muss nicht gleich auf Anhieb funken




Sicherlich gelingt es bei einem Schachtelfest nicht immer, dass eine „alte Schachtel“ den Mann für’s Leben kennen und lieben lernt. Wenngleich dies vor vielen Jahren möglicherweise noch der Fall gewesen sein mag und es etwa ein Jahr nach dem Schachtelfest zu einer Hochzeit kam, so geht es bei modernen Schachtelpartys doch vielmehr um das Eine: der Spass an der Sache steht ganz klar im Fokus des Interesses. Insbesondere auf dem Lande, wo sich die Menschen in den Dörfern meist noch persönlich kennen, sind Schachtelfeste wieder stark im Kommen.

 

Oberstes Bild: © Pressmaster – Shutterstock.com

Über Sandra Katemann

Sandra Katemann ist ausgebildete Bürofachwirtin im Personal- und Rechnungswesen, Werbetexterin und Coach und seit 2006 freiberuflich tätig. Sie verfügt über umfassendes Know-how in Sachen Marketing, Personalwesen, Redaktion, Konzeption, Presse- und Textarbeit.


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