Nostalgie in der Moderne – Itō Shinsui im Museum Rietberg

03.09.2016 |  Von  |  Ausstellung, Kunst, News
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Nostalgie in der Moderne – Itō Shinsui im Museum Rietberg
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Das Museum Rietberg ist besonders stolz darauf, noch in diesem Monat eine umfassende Ausstellung mit den 100 besten Holzschnitten von Itō Shinsui (1898-1972) eröffnen zu können. Es ist die grösste Präsentation dieser Art, die bisher ausserhalb von Japan gezeigt wird. Die Ausstellung findet vom 17. September 2016 bis 8. Januar 2017 statt.

Einen Überblick gibt’s hier

Itō Shinsui ist einer der bekanntesten Maler und Holzschnittkünstler der modernen japanischen Kunst. Die gezeigten Werke stammen aus der Sammlung der Nachkommen des Künstlers selbst sowie aus der Sammlung der Nachkommen von Watanabe Shōzaburō. Er war Shinsuis Verleger und „Vater“ der shinhanga (wörtlich „Neue Drucke“), einer der zwei Hauptbewegungen der japanischen Grafikkunst des 20. Jahrhunderts.

Kunst von einer Epoche des Wandels geprägt

Itō Shinsui, 1898 in Tokio geboren, wuchs in einer Epoche des Wandels auf. Obwohl es in Japan zu der Zeit bereits eine Kunsterziehung nach westlichem Vorbild gab, wurde er noch im traditionellen Meister/Schüler-Verhältnis ausgebildet. Als 13-Jähriger wurde er von Kaburagi Kiyokata (1878-1972), einem der angesehensten Maler seiner Zeit, als Schüler aufgenommen. Bereits im Alter von 15 bis 17 Jahren nahm er an Ausstellungen teil.

Dank seines grossen Talents wurde er nicht nur mit Lob überhäuft, sondern auch mit diversen Auszeichnungen gesegnet. Im Jahr 1915 entdeckte der Verleger Watanabe Shōzaburō ein Frauenporträt von Shinsui in einer Gruppenausstellung und war so begeistert davon, dass er über Kiyokata an den noch minderjährigen Künstler herantrat und ihn bat, das Gemälde in einen Holzdruck umzuarbeiten. Das im darauffolgenden Jahr erschienene Blatt „Vor dem Spiegel“ markiert den Beginn der über 40 Jahre dauernden Zusammenarbeit zwischen Shinsui und Watanabe.

Shinsuis Debütwerk steht für seine überaus produktive Karriere als Shinhanga-Künstler. Über zwei Drittel seiner Drucke sind „Darstellungen schöner Frauen“, die sich durch technische Perfektion, eine klare Komposition und einen entrückt-eleganten Ausdruck auszeichnen. In Anlehnung an die edo-zeitlichen bijinga werden die Frauen häufig in häuslicher Umgebung bei typisch weiblichen Tätigkeiten gezeigt.

Itō Shinsui war aber auch ein vorzüglicher Darsteller von Landschaften. Seine früheste Serie, die „Acht Ansichten von Ōmi (Region um den Biwa-See)“ (1917), hatte eine bahnbrechende Wirkung auf die Entwicklung der Shinhanga-Landschaften. Anstatt auf die gängige Ikonografie zurückzugreifen, die sich seit dem 15. Jahrhundert in der Malerei und später in den Holzschnitten von Meistern wie Hiroshige herausgebildet hatte, lieferte Shinsui eine erfrischend neue Interpretation, die auf seiner persönlichen Naturerfahrung beruhte.

Ausstellung in zwei Perioden gegliedert

Die Ausstellung umfasst insgesamt 100 Holzdrucke von Itō Shinsui, die zwischen 1916 und 1964 entstanden sind. Aus konservatorischen Gründen können die Drucke nur jeweils sechs Wochen ausgestellt werden, weshalb die Ausstellung in zwei Perioden mit jeweils 50 Werken stattfinden wird:

  • Periode I: September bis 13. November 2016
  • Periode II: November 2016 bis 8. Januar 2017.

Shinsuis grafisches Œuvre besteht aus zwei Themen: „Darstellung schöner Frauen“ (bijinga) und Landschaften (sansuiga), wobei der Schwerpunkt eindeutig auf der ersten Gruppe liegt. Pro Periode sind daher 36 Frauenporträts und 14 Landschaften zu sehen. Die Drucke wurden entweder als Einzelblatt oder als Teil einer Serie hergestellt. In dieser Ausstellung können drei Frauen- und zwei Landschaftsserien in ihrer Vollständigkeit gezeigt werden, was eine Rarität ist.

 

Artikel von: Stadt Zürich / Museum Rietberg Zürich
Artikelbild: „Augenbrauen schwärzen“, Farbholzdruck, Japan 1928, © Courtesy Taiyo no Hikari Foundation, Japan

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