Kanton Glarus: Braunwald bekommt einen Flechten-Lehrpfad

Braunwald hat eine neue Attraktion: einen Lehrpfad über Flechten, der mit der App „Glarner Waldperlen“ entdeckt werden kann. Mit diesem Themenweg lädt die kantonale Abteilung Wald und Naturgefahren ein, die spannenden Lebewesen zu entdecken.

An der Eröffnung am Sonntag, 9. Oktober 2022 warten viele Überraschungen auf Gross und Klein.



Sie blühen nicht und ihr Aussehen scheint flüchtig betrachtet wenig spektakulär: manche Flechten an Zaunpfosten erinnern an abblätternde Farbe, andere auf Steinen an plattgewalzte Kaugummis. Diesen Lebewesen einen Lehrpfad zu widmen, braucht Mut. Zumindest auf den ersten Blick. „Flechten sind faszinierende Doppelwesen“, rühmt Tobias Kalt, Fachspezialist Waldbiodiversität bei der kantonalen Abteilung Wald und Naturgefahren, die weit verbreitete, aber kaum bekannte Artengruppe. Tatsächlich handelt es sich bei Flechten um eine Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Algen, seltener einem Bakterium. Die unterschiedlichen Partner sind so eng ineinander verflochten, dass sie als ein einziger Organismus funktionieren. Rund 2000 Flechtenarten sind in der Schweiz bekannt. Noch immer werden neue entdeckt. Im feuchten Klima des Kantons Glarus gedeihen besonders viele. Das wurde 2021 durch eine Untersuchung in Glarus Nord erneut bestätigt. Auch viele seltene Flechten kommen bei uns vor, darunter 20 baumbewohnende Arten, deren Schutz nationale Priorität hat. Dies sei mit ein Grund, warum die Abteilung Wald und Naturgefahren Flechten ins Scheinwerferlicht rücke, erklärt Kalt. „Sie haben eine grosse Bedeutung für die Naturvielfalt im Wald.“ Dafür wolle man sensibilisieren.

Gefährdete Spezialisten

Die Information über die Glarner Waldreservate und dort heimische Arten ist auch das Ziel der kantonalen „Strategie Waldbiodiversität“. Diese will zudem die naturnahe Bewirtschaftung in allen Wäldern fördern. Darauf sind viele Flechten angewiesen. Einige gedeihen nur auf sehr alten Bäumen. Ihr Vorkommen hilft Förstern, solche ökologisch wertvolle Biotopbäume zu erkennen und zu fördern. Obwohl Flechten oft an Extremstandorten gedeihen, gilt: je spezialisierter eine Art ist, desto eher ist sie durch negative Umwelteinflüsse gefährdet. So freut es, dass die Echte Lungenflechte Lobaria pulmonaria, eine Zeigerart für gute Luftqualität, in Braunwald vorkommt. Sie ist eine der Arten, deren Besonderheiten der neue Lehrpfad offenbart.

Die App „Glarner Waldperlen“ weist den Weg

Der Flechten-Lehrpfad ist das jüngste Kind der App „Glarner Waldperlen“. Mit dieser stellt der Kanton Glarus der Bevölkerung auf kurzweilige Art seine Waldreservate und besondere Artengruppen vor. Der Pfad besteht aus acht Stationen zwischen der Bergstation der Braunwaldbahn und dem Restaurant Nussbühl. Nur der Anfang und das Ende sind mit Tafeln markiert. Unterwegs meldet sich die App über das Smartphone akustisch, wenn man sich in der Nähe einer Infostation befindet. Dort erzählen Audios in Glarner Mundart Kindern und Erwachsenen erstaunliche Fakten über Flechten: von ihrer speziellen Fortpflanzung bis zu ihrer Verwendung in der Parfumindustrie. „Der Kanton will mit dem Lehrpfad auf das spannende Universum der Flechten aufmerksam machen“, sagt Tobias Kalt. Das ist ihm gelungen. Wer sich davon überzeugen will, sollte die Eröffnung nicht verpassen. Flyer zu allen „Glarner Waldperlen“ liegen im Naturzentrum Glarnerland im Bahnhofsgebäude von Glarus auf.

Eröffnung Flechten-Lehrpfad

Am Sonntag, 9. Oktober 2022 wird der Flechten-Lehrpfad in Braunwald eröffnet. Er startet bei der Bergstation der Braunwaldbahn und wird selbständig absolviert. Dafür benötigt man ein Smartphone und die App „Glarner Waldperlen“, die unter www.gl.ch/waldreservate oder den App-Stores heruntergeladen werden kann. Am Eröffnungstag betreuen Mitarbeitende der Abteilung Wald und Naturgefahren von 13 bis 17 Uhr mehrere Posten. Sie helfen Kindern bei den Rätseln, zeigen Experimente und beantworten Interessierten Fragen. Auch die Bruuwalder Spiillüt sind mit von der Partie und sorgen für märchenhafte Unterhaltung. Im Restaurant Nussbühl wartet eine süsse Überraschung. Der Weg hin und zurück dauert rund zwei Stunden. Wer kann, bringt eine Lupe und für den Durst eine Trinkflasche mit. Fragen zur Eröffnung beantwortet die Abteilung Wald und Naturgefahren unter wald@gl.ch.

Weitere Informationen unter www.naturzentrumglarnerland.ch sowie www.gl.ch/waldreservate.

 

Quelle: Kanton Glarus
Bildquelle: Kanton Glarus

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