Ruedi Aebersold erhält renommierten Gairdner-Preis für Proteomik
von belmedia Redaktion Awards Forschung Krankheiten News Tipps Trends
Der emeritierte ETH-Professor Ruedi Aebersold erhält zusammen mit John Yates vom Scripps Research Institute in La Jolla, USA, und Matthias Mann vom Max-Planck-Institut Martinsried, Deutschland, den renommierten Canada Gairdner International Award. Die drei haben die moderne Proteomikforschung begründet und geprägt.
Ruedi Aebersold, Matthias Mann und John Yates erhalten die Auszeichnung „für die Schaffung der Grundlagen der modernen Proteomik durch bahnbrechende Innovationen in der quantitativen Proteinmessung, Massenspektrometrie und computergestützten Analyse“, schreibt die kanadische Gairdner-Stiftung in ihrer Pressemitteilung.
Die drei Forscher lösten drei miteinander verknüpfte Probleme: wie man die vielen Proteine einer Zelle gleichzeitig messen kann, wie diese Messungen genau und zuverlässig werden und wie man die komplexen Daten biologisch interpretiert. Die Arbeit der drei Forscher ermöglicht es, Proteine – die Moleküle, die zentral für Zellfunktionen und wichtige Angriffspunkte vieler Medikamente sind – umfassend zu untersuchen.
Die Fortschritte der drei Forscher veränderten die biomedizinische Forschung und Medizin massiv.
Proteomik ist heute entscheidend, um Krankheitsmechanismen zu verstehen, zum Beispiel bei Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Infektionskrankheiten. Der Forschungszweig ist eine wichtige Grundlage für die personalisierte Medizin.
Gel-freie Verfahren entwickelt
Ruedi Aebersold gilt seit langem als einer der einflussreichsten Proteomik-Forscher weltweit. Seine gesamte Karriere hat er der Erforschung von Proteinen gewidmet, und er revolutionierte die Proteinanalyse.
Früher trennten Forschende Proteine mithilfe von Polymer-Gelen in einem elektrischen Feld und identifizierten ein oder wenige Proteine mit langwierigen chemischen Verfahren. Aebersold entwickelte gel-freie Verfahren, bei denen ein Massenspektrometrie-Gerät viele Proteine gleichzeitig erfasst und identifiziert sowie ihre Konzentration präzise bestimmt.
Damit machte Aebersold die Proteomik zu einer quantitativen Wissenschaft, die auch das Zusammenspiel vieler Proteine erkenntlich macht. So entwickelte der mittlerweile emeritierte ETH-Professor eine Reihe von Analyse-Methoden und Computermodellen, mit deren Hilfe für alle Proteine in einer Probe die Identität, Quantität und gegenseitige Interaktionen analysiert werden können.
Aus kleiner Gemeinschaft wurde grosses Gebiet
„Die Auszeichnung ist eine grosse Ehre für mich und alle früheren Mitglieder meiner Forschungsgruppe“, betont der ehemalige ETH-Professor, der teilweise auch mit den beiden anderen Preisträgern zusammengearbeitet hat – oder im Wettbewerb mit ihnen stand.
„Dass der Preis an uns drei vergeben wird, unterstreicht, dass die Proteomikforschung zu Beginn eine kleine Gemeinschaft war, die das Gebiet durch Zusammenarbeit und Wettbewerb weiterentwickeln konnte. Ich schätze mich sehr glücklich, dass meine Laufbahn als junger Forscher gerade in die Zeit fiel, in der die Proteomik möglich wurde und ich sie mitprägen konnte“, sagt Aebersold.
Aebersolds Karriere begann mit einem Doktorat in Zellbiologie am Biozentrum der Universität Basel. Danach setzte er seine Laufbahn am Caltech in Pasadena, USA, fort. Später zog er weiter an die University of British Columbia in Vancouver, Kanada, und die University of Washington in Seattle, USA. Im Jahr 2000 begründete er zusammen mit Leroy Hood und Alan Aderem das Institute for Systems Biology in Seattle. 2004 kehrte er in die Schweiz zurück. Von 2005 bis 2020 war er Professor für Systembiologie der ETH Zürich und der Universität Zürich.
Spin-offs wenden Methoden und Resultate an
Die ETH bot ihm die Gelegenheit, das Institut für Molekulare Systembiologie am Departement Biologie aufzubauen und darin bis zu seiner Emeritierung mit seiner Gruppe zu arbeiten. Auch danach blieb er seinem Forschungsgebiet treu und arbeitete unter anderem am Tumor-Profiler-Projekt, das mit molekularen und zellulären Analysen Therapien für Krebspatienten individuell abstimmt.
Seinem Labor entsprangen zudem auch Spin-off-Unternehmen, darunter die Firmen Biognosys und Proteomedix, die in seinem Labor entwickelten Technologien und Resultate kommerziell nutzen und weiterentwickeln.
Für seine Forschung wurde Aebersold mehrfach mit renommierten Preisen geehrt, darunter dem Otto Naegeli Preis, dem Paracelsus Preis, dem Marcel-Benoist Swiss Science Preis und dem H.P.-Heineken-Preis für Biochemie und Biophysik.
Canada Gairdner Awards
Die Canada Gairdner Awards würdigen seit 1957 herausragende Forschende, deren wissenschaftliche Beiträge das Verständnis der menschlichen Biologie und von Krankheiten vertieft haben und dazu beigetragen haben, menschliches Leid zu lindern. Die Stiftung hat ihren Sitz in Toronto, Kanada.
Das Preisgeld beträgt 250.000 kanadische Dollar (entspricht 143.000 Schweizer Franken) pro Preisträger des Canada Gairdner International Award. Der Preis gilt als einer der renommiertesten Wissenschaftspreise weltweit. Rund ein Viertel der damit geehrten Forscherinnen und Forscher erhielt später auch einen Nobelpreis.
Quelle: ETH Zürich
Bildquelle: ETH Zürich