Das Crowdfunding Festival: Start-up-Finanzierung als Event-Inszenierung

13.04.2014 |  Von  |  Geschäftlich
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Crowdfunding ist sicherlich einer der spannendsten und demokratischsten Wege, ein neues Unternehmen, Projekt oder eine NGO zu finanzieren. Erfunden wurde diese Form des kleinteiligen Business-Investments als Online-Prozess. Unternehmen und wohltätige Organisationen, Künstler und Projekte stellen sich auf eigens hierfür eingerichteten Internetplattformen vor, auf denen sie entsprechende Profilseiten einrichten und mit interessierten potenziellen Geldgebern in digitalen Kontakt treten.

Nun aber tritt dieses Phänomen des Business Fundings 2.0 aus dem World Wide Web auf die Strasse – genauer gesagt: aufs Open-Air-Gelände. Crowdfunding Festivals sind eine organische Weiterentwicklung dieser jungen Kultur, die die Atmosphäre der Offenheit unmittelbar in eine „anfassbare“ Veranstaltung tragen. Dieses Event-Phänomen hat seinen Anfang in den USA, wird aber 2014 auch in Europa ankommen. Dort finden bis zu fünftägige Crowdfunding Festivals statt, auf denen bis zu 500 und mehr Entrepreneure die Gelegenheit nutzen, ihre Gründungsideen und Projekte vorzustellen und potenzielle Geldgeber einzuwerben.

Der Unterschied zu den üblichen Gründermessen, bei denen junge Unternehmer im Anzug in grossen Messehallen ihre Visitenkarten an Business Angels und professionelle Investoren verteilen, könnte allerdings grösser nicht sein. Die Crowdfunding Festivals sind typischerweise eine Mischung aus Entertainment, gutem Essen und Trinken an Ständen und in Zelten, lokalen VIPs sowie 1on1-Events, Vorträgen und Workshops, Präsentationen und Start-up-Ständen.




Zusätzlich stehen diverse aussergewöhnliche und über die ganze Stadt verteilte Flächen zur Verfügung, auf denen Gründer und Kapitalsuchende Stände aufstellen und sich präsentieren können. Liegt ein inhaltlicher Schwerpunkte auf der Kulturwirtschaft, dann geben Künstler zusätzlich in Clubs Konzerte, stellen in Galerien aus oder lesen in Buchhandlungen, um Sponsoren für ihre nächste Musik- oder Buchproduktion zu finden.




Crowdfunding Festivals sind nicht nur für Entrepreneure und Besucher spannend. Auch Sponsoren können die Plattform auf innovative Weise nutzen, um ihre Produkte zu bewerben. So gibt es etwa die Möglichkeit, von allen teilnehmenden Sponsoren Gelder einzuwerben, diese in einem Topf zu sammeln und den Inhalt dann an die drei Entrepreneure mit den meisten vor Ort abgegebenen Votes als Start-up-Kapital auszuschütten. Der entsprechende Wahlprozess läuft über eine Stimmenabgabe an einem extra eingerichteten Kiosk oder über die downloadbare Event-App. Während aller Festivaltage ist typischerweise freier WLAN-Zugang gewährleistet.

So können am letzten Tag des Events bis zu mehrere 100’000 Dollar beziehungsweise Euro ausgeschüttet werden. Ergänzend kann eine prominente Jury aus Selbstständigen und erfolgreichen Gründern zusätzlich einen Extrapreis für das innovativste Projekt vergeben. Eine weiteres „Belohnungssystem“ erschliesst sich unmittelbar aus dem schon während der Veranstaltung stattfindenden Finanzierungsprozess. Derjenige Jungunternehmer, Künstler oder Projektinitiator, der während der Festivaltage am meisten Funds online für seine im Web präsentierte Idee eingenommen hat, erhält nochmals ein Extra obendrauf.

Dies sind nur einige Beispiel dafür, wie in der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung solcher Crowdfunding Festivals die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt verschmelzen. Social Media und reale Orte werden gleichberechtigt zu den Plattformen, auf denen Gründer und Projekte sich präsentieren und potenzielle Privatinvestoren mit ihnen in den Dialog treten können. Dies ist synonym mit dem thematischen roten Faden, der sich durch jedes dieser Crowdfunding Events zieht: die Idee unmittelbaren Austauschs zwischen interessierten Parteien, ohne die Zwischenschaltung von Vermittlern oder Finanzinstituten.

An diese unausgesprochene Regel halten sich auch die Veranstalter selbst. Sie lassen das Festival sich in vieler Hinsicht selbst entwickeln, um ihm denselben dynamischen Flow zu verleihen, der typisch ist für viele digitale Crowdfunding-Plattformen. Dazu gehört etwa die Kooperation von Entrepreneuren und innerstädtischen Venues. Egal ob diese in Innenräumen wie Cafés oder Hochhäusern oder draussen in Parkhäusern oder Parkanlagen liegen: Jeder Veranstaltungsort zahlt an die Veranstalter dieselbe Summe, um im Pool der Gastgeber gelistet zu sein und dort Informationen zur Fläche verfügbar machen zu können.




Gleiches gilt für die teilnehmenden Gründer; sie zahlen ebenfalls einen Basispreis und geben dann an, welche Art von Fläche sie zur Präsentation ihrer Idee benötigen. Danach werden Angebot und Nachfrage automatisch online abgeglichen und beiden Parteien entsprechende Matching-Vorschläge unterbreitet. Ob diese angenommen werden und es zu einem Deal kommt, bleibt dann allein der Kreativität und dem Verhandlungsgeschick der beiden Parteien überlassen.




Natürlich kommt zur Finanzierungs-Option auch noch der Networking-Aspekt entscheidend hinzu. Hier treffen Gründer und Initiatoren unmittelbar auf ihre Zielgruppen und können sich gleichzeitig mit potenziellen Partnern vernetzen.




Die Veranstalter selber generieren ihre Einnahmen aus verschiedenen Quellen: der Teilnehmer-, Sponsoren- und Venue-Gebühr, den Standmieten, Tickets für eintrittspflichtige Veranstaltungen und Werbung. Für Eventveranstalter tut sich hier also eine völlig neue Welt auf, die in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter wachsen wird. Das Konzept lässt sich relativ nahtlos in die ganze Welt transportieren und wäre ebenso gut als eine städtische Veranstaltung denkbar. Natürlich könnten Veranstalter auch thematische Schwerpunkte setzen oder den Fokus nur auf Wohltätigkeitsprojekte richten – den Möglichkeiten sind wenig Grenzen gesetzt.

 

Oberstes Bild: © maximmmmum – Shutterstock.com


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