Masters of Wine – die Akademiker der Weinwelt

18.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Den Titel eines „Master of Wine“ des gleichnamigen Londoner Instituts tragen weltweit bisher etwa 300 Personen – sie sind die Akademiker der Weinwelt. Die Prüfungen, um diesen Status zu erreichen, gelten als die schwierigsten der Branche.

Der Umfang des Prüfungsprogramms in London hat es in sich. Vier jeweils dreistündige Theorie-Prüfungen befassen sich mit dem Weinanbau, der Herstellung und dem Handel von Wein sowie aktuellen Themen in der Welt des Weines. Ausserdem müssen die Kandidaten drei Blind-Degustationen mit jeweils zwölf Weinen bestehen und dabei die Rebsorte, den Ursprung, die Ausbaumethode sowie Qualität und Stil des Weins erkennen. Wer auch die letzte Prüfung –
eine Dissertation im Umfang von 10.000 Wörtern zu einem Weinthema – erfolgreich absolviert, darf sich schliesslich als Master of Wine bezeichnen und gehört damit zu einem der weltweit exklusivsten Zirkel.

Von 100 Studierenden bestehen die Prüfungen meist nur fünf

Zu den Voraussetzungen, um überhaupt eine Zulassung zum Wein-Studienprogramm in London zu erhalten, gehört, dass die Bewerber mindestens fünf Jahre in der Weinindustrie tätig waren. Zu den Studenten am „Institute of Masters of Wine“ gehören erfahrene Sommeliers, Weinhändler und Weinjournalisten. Auch solche Profis beissen sich an den Prüfungen des Instituts jedoch oft die Zähne aus. Nathaniel Anderson, der Communication Manager des Instituts, nennt Zahlen: Im Durchschnitt beginnen in jedem Jahr 100 Studenten ihr Wein-Masterstudium in London. Die Prüfungen schaffen meist nicht mehr als fünf. Auch Jahre, in dem kein einziger Master of Wine sein Zertifikat erhält, sind für Anderson jedoch nicht ungewöhnlich. Dabei lässt die Prüfungsordnung des Instituts den Studierenden genügend Zeit zur Vorbereitung und Raum für jeweils drei Versuche. In den ersten vier Jahren ihres Studiums müssen sie spätestens beim dritten Anlauf entweder die praktische oder theoretische Prüfung bestehen.

Masters of Wine – exzellentes Weinwissen und viele Mythen




Um das Wissen und Können der Master of Wine ranken sich in der Branche und bei Laien Mythen. Vorausgesetzt wird oft, dass ein Master of Wine beliebige Details fast jedes Weines kennt – nicht nur die Rebsorte, aus der dieser gekeltert wurde, sondern auch den exakten Zeitpunkt der Kelterung, nicht nur die Region, sondern auch den Weinberg und den Hang, an dem die Trauben für den edlen Tropfen ursprünglich gewachsen sind. Fakt ist: Ein Master of Wine erkennt die Region und die Qualitätsstufe eines Weines ohne Schwierigkeiten – viele andere Fähigkeiten, die den Absolventen des Londoner Wein-Institutes zugeschrieben werden, gehören dagegen in das Reich der Märchen.

Hervorragend ausgebildete Generalisten




Masters of Wine sind hervorragend ausgebildete Generalisten, die über umfassende Kenntnisse zu den wichtigen Weinregionen der Welt verfügen. Viele von ihnen sind sehr oft auf Reisen. Der Züricher Weinhändler, Weinjournalist und „Weinpapst“ – für lange Zeit der einzige Master of Wine in der Schweiz – schätzt, dass er 40 Prozent seiner Zeit im Ausland unterwegs ist. Auf Weingütern im Burgund, in der Toskana oder im Bordeaux probiert er pro Woche oft mehrere hundert Weine. Nach eigenem Bekunden macht ihm sein Titel seine Kontakte und seine Zusammenarbeit mit den Winzern nicht leichter – die Weinbauern interessieren sich für die akademischen Weihen des Weinexperten nicht.




Die reine Theorie reicht für die Prüfungen zum Master of Wine nicht aus




Von seinem Status als Master of Wine profitiert Schwander dagegen in den Medien und bei seinen Kunden – vor allem, wenn es um das Gewinnen neuer Kunden geht. Diese dauerhaft an sein Geschäft zu binden, erfordere dagegen durchgehend hohe Qualität. Auch hier hilft ihm sein Abschluss: Durch diesen und das Masterstudium in London besitzt er ein hervorragendes professionelles Netzwerk, in dem enormes Weinwissen verfügbar ist. Mit der Entscheidung für das Studium hat sich der heutige Endvierziger übrigens lange Zeit gelassen. Seinen ersten Artikel über Wein schrieb er zwar bereits mit 17 Jahren, den Weg zum Master of Wine hat er jedoch erst nach über zehn Jahren Tätigkeit als Weinhändler eingeschlagen. Schwander ist überzeugt, dass er die Prüfungen zum Master of Wine vor allem durch sein praktisches, während unzähliger Besuche auf Weingütern erworbenes Weinwissen bestanden hat – das Lesen von Büchern und damit die reine Theorie reichen dafür definitiv nicht aus.

Die weltweit 300 Masters of Wine gehören zu einem sehr exklusiven Zirkel - zwei von ihnen leben in der Schweiz. (Bild: Luckyraccoon / Shutterstock.com)

Die weltweit 300 Masters of Wine gehören zu einem sehr exklusiven Zirkel – zwei von ihnen leben in der Schweiz. (Bild: Luckyraccoon / Shutterstock.com)

Inzwischen zwei Masters of Wine in der Schweiz




Seit 2011 gibt es in der Schweiz neben Philipp Schwander einen zweiten Master of Wine, in diesem Jahr hat der Brite Paul Liversedge die renommierte Prüfung absolviert und darf das Kürzel MW im Namen führen. Liversedge lebt – nach Karrierestationen in London, Hongkong und Zürich – seit neun Jahren in der Schweiz. Seine Weinerfahrung erwarb er in über zwei Jahrzehnten, heute ist er der Chef der „Real Wines“ in Stallikon und bietet seinen Kunden dort ein sehr erlesenes Sortiment mit französischen und überseeischen Weinen aus überwiegend biologischem oder biologisch-dynamischem Anbau, darunter 100 Jahre alte Madeiras und australische Shiraz-Weine, deren Trauben von 150 Jahre alten Rebstöcken gewonnen werden. Seine önologischen – den Wein betreffenden – Leidenschaften fokussieren sich neben Frankreich vor allem auf Australien und Neuseeland.

 

Oberstes Bild: © fotoknips – Shutterstock.com


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